Die neue 10-Franken-Note

Jeder kennt sie: die Banknote. Sie gehört zum Alltag. Wir schenken ihr im täglichen Trott keine grosse Beachtung. Es sei denn, die unscheinbare Begleiterin erhält ein neues Gesicht. Aktuell ersetzt die Schweizerische Nationalbank die Notenserie von 1995. Wir nehmen die neue 10-Franken-Note für Sie unter die Lupe.

Text: Andreas Gerber, Ramona Tiefenthal | Fotos: Archiv der SNB

Am 11. Oktober 2017 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die dritte Note der seit 2016 aufgelegten, neunten Notenserie präsentiert: die neue 10-Franken-Note. Jede neue Note stellt eine für die Schweiz typische Eigenschaft vor. Diese wird mit verschiedenen gestalterischen Elementen illustriert. Auf das Abbilden von Schweizer Persönlichkeiten verzichtet die SNB ganz bewusst. Personen sind oft mit einem Rückblick in die Vergangenheit verbunden. Die neuen Noten sollen ein zukunftsorientiertes Bild der Schweiz als eines Ganzen vermitteln.

Organisierte, pünktliche Schweiz

Die neue 10-Franken-Note veranschaulicht die organisierende Seite der Schweiz mit dem Hauptthema «Zeit». Die beiden Hauptmotive sind eine Hand mit Dirigentenstab auf der Vorderseite und ein Uhrwerk auf der Rückseite der Note. Beide Motive charakterisieren die Schweiz als gut organisiertes Land. Wie bei der 20-Franken-Note aus der achten Serie mit dem Rad und dem Kompressor der Dampflokomotive «Pacific 231» sehen wir auch bei der neuen 10-Franken-Note Elemente aus der Eisenbahnwelt. Zu sehen sind Skizzen des schweizerischen, des österreichischen und sogar Teile des ungarischen Eisenbahnnetzes.

Tunnel als Symbol für Präzision

Rechts des schweizerischen und unterhalb des österreichischen und des ungarischen Schienennetzes sind die längeren Eisenbahntunnel der Schweiz aufgeführt. Sie sind wichtige Teile des weitverzweigten schweizerischen Bahnnetzes, dessen Betrieb dank guter Organisation und zeitlicher Präzision zuverlässig funktioniert. Die Tunnel sind in absteigender Reihenfolge unter Angabe der genauen Länge aufgeführt. Wir entdecken nicht nur die bekannten Namen wie den «San Gottardo base» (Gotthard-Basistunnel) mit 57,1 km oder den Lötschberg-Basistunnel mit 34,6 km Länge. «Unser» Wasserfluhtunnel zwischen Brunnadern-Neckertal und Lichtensteig mit 3,6 km findet ebenfalls einen Platz auf der Note. Ebenso aufgeführt sind der von der SOB durchfahrene Rickentunnel mit 8,6 km und der Kerenzerbergtunnel mit 4 km Länge. Wenn wir diese stolze Anzahl an Tunnel betrachten, ist es ganz gut nachvollziehbar, dass viele die Schweiz mit einem Emmentaler Käse und seinen vielen Löchern vergleichen.

Komplexe Spaltweiche 

Das dominierende Motiv auf der Rückseite der neuen Banknote ist, neben dem Uhrwerk, eine Spaltweiche. Die abgebildete Spaltweiche ist bei Ferden im Lötschberg-Basistunnel installiert. Diese Weichenverbindung im südlichen Teil des Tunnels ermöglicht es, den Übergang vom nördlichen, einspurigen Tunnel auf den Doppelspurabschnitt im Süden zu steuern. Sie ist mit einem beweglichen Herzstück ausgestattet und kann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h befahren werden.Diese spezielle Weichenbauform ist technisch äusserst aufwendig. Denn nicht nur die äusseren Weichenzungen werden bei einer Umstellung der Fahrspur verstellt, sondern auch die zentral angeordneten Herzstücke der Weiche werden umgestellt.Im Gegensatz zu einer normalen Weiche sind es bei einer Spaltweiche nicht die Radlenker, die die Spurführung der Radsätze bei einer Überfahrt der Räder über das Weichenherz sicherstellen, sondern die Herzstücke. Durch ihre Lageveränderung entsteht in beiden Endlagen der Weiche eine lückenlose, durchgehende Schienenstrangverbindung. Die Spurführung der Radsätze wird, wie auf den gewöhnlichen Gleisen, beidseitig durch die an den Rädern angebrachten Spurkränze sichergestellt.Unser Fazit: Hier sind ganz schön viele Informationen auf kleinstem Raum verpackt. Aus «Bahnsicht» lohnt sich der genaue Blick auf die gelbe Note ganz besonders.