Es blinkt: Bahnübergänge

Laut dem Bundesamt für Verkehr (BAV) gibt es auf dem schweizerischen Schienennetz aktuell rund 4 430 Bahnübergänge. Was für das Lokpersonal auf der einen Seite Sicherheit bei der Durchfahrt bedeutet, ärgert Verkehrsteilnehmer auf der anderen Seite: Wieso senken sich die Schranken, lange bevor ein Zug zu sehen ist? Und wieso bleiben sie so lange geschlossen?

Text: Ramona Tiefenthal | Fotos: BAV 

Für Verkehrsteilnehmer – seien sie motorisiert, mit dem Fahrrad oder zu Fuss unterwegs – sind Bahnübergänge meist nur ein notwendiges Übel. Kommt Ihnen die Situation bekannt vor? An einem Tag, an dem Sie ohnehin bereits zu spät unterwegs sind, schliessen sich die Schlagbäume garantiert genau dann, wenn Sie dort eintreffen. Ärgerlich. Der Zug saust vorbei, und Ihr Fuss schwebt bereits über dem Gaspedal, bereit zur Weiterfahrt. Sie haben es schliesslich eilig. Aber: Die Schranke bleibt unten. Und weit und breit ist kein Zug zu sehen. Wie kann das sein? Nun, liebe Leserinnen und Leser: Da steckt einiges dahinter.

«HALT», wenn es blinkt

Im Normalfall besteht ein Bahnübergang aus einem Wechselblinker, einem akustischen Signal und den rot-weissen Schlagbäumen, die sich vor einer Zugsdurchfahrt senken. Damit sich die Schlagbäume nicht ohne Vorwarnung senken und dadurch Verkehrsteilnehmer zu Schaden kommen, gibt es die sogenannte «Warnzeit». Das heisst, mindestens zwölf Sekunden, bevor die Schliessung der Schlagbäume beginnt, blinkt der Wechselblinker, und Sie hören ein akustisches Signal. Wechselblinker sind für Verkehrsteilnehmer mit einer roten Ampel gleichzusetzen und bedeuten in jedem Fall «HALT», und zwar bereits ab dem ersten Blinken. Wer dennoch versucht, während des Blinkens den Übergang zu passieren, riskiert eine Ordnungsbusse von 250 Franken.

Nach Ablauf dieser zwölf Sekunden Warnzeit beginnen sich die Schlagbäume zu senken. Dieser Vorgang dauert im Durchschnitt etwa zehn Sekunden. Zusätzlich kommt noch die Sicherheitszeit von mindestens fünf Sekunden dazu. Das heisst also, der Strassenverkehr steht bereits mindestens 27 Sekunden still.

Möglichst kurze Sperrzeiten

Betrachten wir das ganze aus der Sicht des Lokführers. Je nach Sicherungsart des Bahnübergangs sieht er an einem Signal mit Zugsicherung entlang der Strecke, ob er beim nächsten Bahnübergang durchfahren und somit sein Tempo beibehalten kann. Da er dieses Signal mindestens zehn Sekunden sehen muss (es handelt sich dabei um die sogenannte «Sichtzeit»), bedeutet das für den Verkehr wiederum eine Verlängerung der Wartezeit um zehn Sekunden – in diesem Fall warten Sie also bereits 37 Sekunden am Bahnübergang, bis der Zug eintrifft. Um eine möglichst kurze Sperrzeit der Bahnübergänge zu erreichen, sind jedoch viele bereits so gebaut, dass sie über eine automatische Zugsicherung verfügen. Das heisst, wenn der Zug an einem bestimmten Punkt vorbeifährt und der Bahnübergang zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesichert ist, wird der Zug automatisch abgebremst, sodass er noch vor dem Bahnübergang zum Stillstand kommt.

Grundsätzlich hat der Zug freie Fahrt, sobald die Schlagbäume des Bahnübergangs geschlossen sind oder ihre obere Endlage verlassen haben – also sobald sie beginnen, sich zu senken. Das ist eine sichere Vorgehensweise, da der Antrieb der Schlagbäume gewährleistet ist: Durch die Schwerkraft und mittels einer Feder laufen sie in die geschlossene Endlage. Ausserdem funktioniert die Anlage durch Batterien auch im Falle eines Stromausfalls weiterhin. So sparen wir die zehn Sekunden Sichtzeit und wären wieder bei 27 Sekunden Wartezeit für den Strassenverkehr. Dazu kommt nun noch die Zeit, die der Zug benötigt, um den Bahnübergang zu passieren.

Während dieser ganzen Zeit blinkt der Wechselblinker. Ist der Zug durchgefahren, heben sich die Schlagbäume in den meisten Fällen schnell wieder und der Wechselblinker erlischt. Früher blinkte er auch dann noch, wenn sich die Schlagbäume öffneten. Weil aber der Verkehr auf den Strassen immer mehr zunimmt, sind die Anlagen mittlerweile so umgebaut, dass der Blinker beim Öffnen der Schlagbäume erlischt. So kann die gesamte Sperrzeit des Bahnübergangs auf ein Minimum reduziert werden.

Tiefhaltung bei Zugkreuzung

Wie lange ein Bahnübergang grundsätzlich geschlossen ist, wissen wir jetzt. Aber warum bleibt er manchmal zu, obwohl der Zug bereits vorbeigefahren ist? Dazu wird der Fahrplan berücksichtigt. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Zug ist bereits durchgefahren, und ein sich in entgegengesetzter Richtung nähernder Zug wartet ebenfalls darauf, den Übergang zu passieren. Öffnet sich der Bahnübergang zwischen den beiden Zugkreuzungen, muss der zweite Zug mindestens 42 Sekunden warten. Zehn Sekunden benötigen nämlich die Schlagbäume, um sich zu öffnen. Danach müssen sie aus Sicherheitsgründen mindestens zehn Sekunden für den Verkehr geöffnet bleiben. Im Anschluss folgen wieder die zwölf Sekunden Warnzeit und die zehn Sekunden, die die Schlagbäume benötigen, um sich wieder zu senken. Auf den Fahrplan können diese 42 Sekunden erhebliche Auswirkungen haben.

Eingeschlossen – was nun?

Obwohl die Anlagen sehr sicher sind, geschehen doch immer wieder Unfälle auf Bahnübergängen. Sollten Sie auf dem Übergang stecken bleiben und das Fahrzeug nicht mehr von den Gleisen bewegen können, sollten Sie dieses umgehend verlassen. Via Notruf 117 ist die Polizei unverzüglich zu informieren. Besteht die Möglichkeit, einen herannahenden Zug frühzeitig auf die Gefahr aufmerksam zu machen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen, sollten Sie dies tun.

Wenn es noch möglich ist, das eingeschlossene Fahrzeug zu bewegen, empfiehlt die Polizei, durch die Schlagbäume hindurchzufahren und sich so aus der Gefahrenzone zu bringen. Auch in diesem Fall ist sofort die Polizei via Notruf 117 zu alarmieren, damit sie die Notfallstellen der Bahn über das Ereignis informieren kann.