Frühlingsgefühle

Der Frühling hat definitiv Einzug gehalten, liebe Leserinnen und Leser, und der Sommer steht vor der Tür. Bestimmt sind viele von Ihnen mit Anlauf in die Gartenstiefel gehüpft, kaum haben die ersten Sonnenstrahlen Sie ein wenig im Gesicht gekitzelt, nicht wahr?

Ich kenne diese Situation nur zu gut, wenn auch nicht am eigenen Leib. Denn kaum verschont der Frost den Boden und die ersten Krokusse ragen zwischen dem schmelzenden Schnee hervor, gibt es für meine Mutter kein Halten mehr. Bis zu den Zähnen mit Schaufel, Schere, Hacke und Setzlingen bewaffnet (und was das Baumarktsortiment sonst noch alles hergibt), stürmt sie den Garten und erobert das triste, braungrüne Feld zurück, um es in eine wunderbar farbenprächtige Oase zu verwandeln.

Das gelingt ihr jedes Jahr aufs Neue, und ich bin, ebenfalls jedes Jahr aufs Neue, tief beeindruckt. Da sich bei mir kaum eine andere Pflanze als ein Kaktus über ein längeres Leben freuen darf, würde ich mein Verhältnis zur Gartenarbeit als gemässigt beschreiben. Dass aber der Frühling in uns den Wunsch hervorruft, uns zu engagieren, zu bewegen und etwas zu schaffen, das ist unbestreitbar – und wunderbar.

Auch die SOB ist aktiv in den Frühling gestartet und hat mit den Vorarbeiten für zwei Bauprojekte begonnen, die zu den grössten in ihrer Geschichte zählen. So saniert sie zum einen ihr über 100 Jahre altes Wahrzeichen: den Sitterviadukt. In luftigen 99 Metern Höhe erneuern unerschrockene Arbeiterinnen und Arbeiter die Fahrbahn und den Korrosionsschutz am «Fischbauch».

Genauso beeindruckend ist die Grossbaustelle im Obertoggenburg: 22 Teilprojekte, 35 Millionen Franken, über 200 beteiligte Mitarbeitende – und 1 Projektleiter. Armin Zöggeler hat die Fäden in der Hand, gibt Einblick in seine Arbeit und verrät, was es braucht, um ein solches Mammutprojekt zu koordinieren.

Der SOB sind aber auch die Projekte wichtig, die etwas kleiner sind. Um nicht zu sagen «mini». Wussten Sie, dass der beliebte Freizeitpark «Swissminiatur » diesen Sommer sein 60-jähriges Bestehen feiert? Passend zur Jubiläumsfeier weiht der Park diesen Sommer seine neueste Attraktion ein: den kupferfarbenen Traverso der SOB, der ab Dezember 2020 in Originalgrösse ins Tessin fahren wird. Sein «kleiner Bruder» entstand in unzähligen Arbeitsstunden durch liebevolle Handarbeit und dreht bald seine Runden durch den Park – den übrigens rund 1 500 Pflanzen und über 15 000 Blumen zieren.

Basteln, bauen und Blumen pflanzen inspiriert. Vielleicht gebe ich dem Gärtnern nächsten Sommer doch noch eine Chance.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre.



Ramona Tiefenthal
Redaktionsleiterin