Kein Tag wie der andere

Nachgefragt bei Rita Manser

Rita, wieso übst du den Beruf «Kundenbegleiterin» aus und was fasziniert dich an deiner Aufgabe?
«Ich bin gerne unterwegs und schätze den persönlichen Kontakt mit den Menschen. Als Kundenbegleiterin kann ich beides vereinen – das passt wunderbar zusammen. Den Kontakt zu den Menschen schätze ich besonders. Ich kenne auf der Strecke des Voralpen-Express viele Gäste persönlich und einige gar mit Namen. Zudem liebe ich die Strecke Luzern– St.Gallen über alles. Ich finde sie faszinierend und total abwechslungsreich. An meinem Beruf geniesse ich auch die Freiheiten, die ich habe: zum Beispiel, dass ich in gewissen Situationen gleich im Zug und somit vor Ort selber Entscheidungen treffen und umsetzen kann. Bei der Arbeit als Kundenbegleiterin bin ich immer in Bewegung. Das Wetter bringt zusätzliche Abwechslung in den Berufsalltag – und manchmal auch Herausforderungen.»

Der Beruf «Zugbegleiterin» ist im Wandel und heisst neu «Kundenbegleiterin». Ist diese Änderung auch bei deiner täglichen Arbeit zu spüren?
«Ja, die Reisenden rücken noch mehr in den Mittelpunkt. Ich werde gezielter auf ihre Bedürfnisse eingehen, zum Beispiel: den Reisekomfort im Zug (Klima, Sauberkeit, Platzangebot) sicherstellen oder den Ausflüglern und Touristen die Sehenswürdigkeiten an der Strecke erklären. Ich habe übrigens immer einen guten Tipp parat und tausche mich gerne mit unseren Passagieren aus.»

Ab Sommer 2019 sind die neuen «Traverso»-Triebzüge im Einsatz. Was ändert sich da für dich?
«Ich freue mich auf den neuen Zug. Beim ‹Traverso› werde ich keine Bremsproben und Türkontrollen mehr durchführen, das kann der Lokführer zukünftig auf den Monitoren im Führerstand ablesen. Vieles wird komplexer, zum Beispiel das ganze Lüftungssystem und das Betriebssystem des Zuges. Neu werde ich den Innenraum des Zuges intensiver kontrollieren und bei Bedarf den First- Level-Support sicherstellen, das heisst: kleine Mängel gleich vor Ort beheben.»

Gibt es dafür eine spezielle interne Weiterbildung?
«Ja, diese habe ich bereits besucht. Es ändert sich einiges mit dem neuen ‹Traverso›. Der ganze Bistrobereich wird neu, das Kundeninformationssystem mit den Durchsagen ändert sich und die Anzeigen auf den Monitoren im Zug sind komplett neu. Im alten Voralpen-Express gab es ja gar keine Monitore … (lacht).» 

Was sind allgemein die grössten Herausforderungen, denen du im Beruf begegnest?
«Jeder Tag sieht anders aus. Wichtig ist, dass man für die Herausforderungen sofort eine Lösung findet. Da muss man manchmal etwas Neues annehmen und improvisieren können.»

Was war dein schönstes Erlebnis?
«In Luzern hatte ich ein ganz schönes Erlebnis. Ich half zwei älteren Damen, ihre Billette am Automaten zu lösen. Als Dank überraschten mich die beiden Frauen, Wochen später, mit einer Pralinéschachtel. Das war wunderschön und machte mich für einen Moment wirklich sprachlos.»

Was ist für dich der touristische Höhepunkt auf der Reise zwischen St. Gallen und Luzern?
«Es gibt auf der VAE-Strecke viele Höhepunkte. Nebst dem Hochmoor von Rothenthurm hat es mir der Abschnitt vor Arth-Goldau mit dem faszinierenden Blick über den Lauerzersee angetan – besonders im Herbst mit den etwas ‹grusligen› Nebelschwaden. Ganz speziell finde ich auch die Fahrt auf dem Seedamm zwischen Rapperswil und Pfäffikon. Der Ausblick Richtung Zürich ist einfach grossartig und die Sonnenuntergänge sind einzigartig.»

Was war deine schönste Zugreise? Hast du einen Tipp für unsere Leserinnen und Leser?
«Mein Tipp: Eine Fahrt mit der Centovalli-Bahn von Locarno nach Domodossola ist einfach unvergesslich schön. Ab Dezember 2020 fahren wir mit dem ‹Traverso› von Zürich bzw. Basel direkt nach Locarno … (schmunzelt).»