Nicht nur sauber, sondern rein

Füsse auf den Sitzen. Essensreste auf den Tischchen. Husten, niesen oder ungewaschene Hände, die Halteknöpfe drücken oder Armlehnen berühren. Das Innere der SOB-Züge muss so einiges aushalten. Und manchmal kommt beim Reisenden die Frage auf, wie sauber sind die Züge der Südostbahn? Ein Blick auf eine Hygieneanalyse, die überrascht.
Text und Fotos: Brigitte Baur

Viele Pendlerinnen und Pendler gönnen sich auf dem Weg zur Arbeit einen Latte macchiato, einen Energydrink oder ein Gipfeli. Den Pappbecher und den Papierbeutel entsorgen sie im Abfalleimer im Zug. Sitzen vier Menschen in einem Abteil, die alle einen Kaffee und ein Gipfeli dabei haben, ist der Abfalleimer unter dem Tischchen bereits am Morgen voll. Insbesondere grosser, sperriger Abfall wie Take-away-Behälter verstopfen die Abfalleimer. Restflüssigkeit aus PET-Flaschen, Aludosen oder Kaffeebechern läuft aus und verklebt die Abfalleimer und den Boden.

In der Regel leert das Reinigungspersonal die Abfalleimer in den Zügen zweimal pro Tag: einmal morgens und einmal abends – «chüblä» heisst das bei der SOB. Und jede Nacht, wenn das Lokpersonal die Züge nach der letzten Fahrt in den vorgesehenen Bahnhöfen oder Servicezentren abstellt, reinigen sie zusätzlich zu den Abfalleimern auch die Tische, den Boden und die Toiletten. Ergänzend findet in den Servicezentren Samstagern und Herisau eine aufwendige und gründliche Intensivreinigung jeder Zugkomposition statt.

Definition von Sauberkeit
Bei einer Zugfahrt lässt sich der Kontakt mit Oberflächen oder Gegenständen so gut wie nie vermeiden. Aber: Ist, was auf den ersten Blick sauber scheint, auch genügend? Reicht ein feuchtes Bodenwischen oder Kübelleeren, um den Reisenden eine angenehme Fahrt zu bieten? Obwohl es keine allgemein verbindliche Definition von Sauberkeit gibt, hat doch jeder eine eigene Vorstellung. Auch der Begriff «hygienisch sauber» wird differenziert interpretiert und nicht von jedem mit «gründlicher Sauberkeit» gleichgesetzt. Was aber feststeht, ist, dass sich viele Krankheiten über die Hände verbreiten. Also von Mensch zu Mensch. Entweder direkt oder durch eine Keimverschleppung auf Handkontaktflächen wie in unserem Fall an Türgriffen, Halteknöpfen oder Armlehnen. Die gute Nachricht: Viele dieser ansteckenden Mikroorganismen können mit den richtigen Massnahmen und Mitteln so weit entfernt werden, dass keine Ansteckungs- oder Übertragungsgefahr (mehr) besteht.

Stichprobenprüfung der Oberflächen
Ein auf Industriereinigung spezialisiertes Unternehmen aus Münchwilen mit eigenem Labor führt in zeitlichen Abständen stichprobenartige Hygieneanalysen in den Zügen der SOB durch: unter anderem in den Toiletten, an den Haltegriffen, den Abfallkübeln und den Sitzplätzen in der 1. und 2. Klasse. An diesen exponierten Stellen tummeln sich besonders viele Bakterien, die über die Hände an die Schleimhäute gelangen und so zu Ansteckungen führen können. Die Bewertung der Analysen erfolgt aufgrund anerkannter Richtwerte der Abklatschproben.

Erfreulich: Die Resultate des Hygieneaudits können sich sehen lassen. Die Sauberkeit und Hygiene bei den Stichproben in den SOB-Flirts und im Voralpen-Express liegen bei einem Erfüllungsgrad von 83 Prozent im Bereich «gute Hygiene» und entsprechen somit den allgemeinen Hygieneanforderungen im öffentlichen Bereich. Mit diesem Wert können sich die Reisenden betreffend Hygiene im Zug erleichtert in ihren Sitzen zurücklehnen.

Die SOB geht aber noch einen Schritt weiter, damit ihre Kundinnen und Kunden beruhigt ihren Apfel auf das Fenstertischchen legen können. Das Resultat der ersten Analyse nahm die SOB zum Anlass, die Reinigung der Züge zu überdenken, mit dem Ziel, mit den richtigen Mitteln und Abläufen nicht nur Krümel, Flecken oder liegen gelassene Kaffeebecher, sondern auch Mikroorganismen bestmöglich zu beseitigen. Mit einfachen, aber effektiven Massnahmen optimierte sie anschliessend auch die Reinigungsabläufe.

Putzen nach Farben
Dass ein Putzlappen für die Toiletten nicht auch für die Fenstertische verwendet wird, versteht sich von selbst. Dennoch haben wir ein effizientes Farbkonzept bei den Putztüchern entwickelt. In der Praxis bedeutet das: Für jeden Bereich im Zug, wie Tische, Böden, Toiletten, Türöffner und Haltegriffe usw., benutzt das Reinigungspersonal farblich definierte Tücher, die mit den auf die verschiedenen Oberflächen abgestimmten und exakt dosierten Reinigungsmitteln getränkt sind. Zudem sind die Putztücher nach einem ausgeklügelten System so gefaltet, dass jeder Lappen in einem Reinigungsdurchgang achtmal auf eine saubere und unbenutzte Seite gewendet werden kann. Somit weiss das Reinigungspersonal, wie viele Lappen es von welcher Farbe und mit welchem Reinigungsmittel getränkt für eine bestmögliche Innenreinigung benötigt – je nach Grösse der Zugkomposition.

Ein weiterer Vorteil dieses Farbvariantensystems liegt darin, dass stehendes Putzwasser, das bis zum Ende einer Zuginnenreinigung nicht ausgetauscht werden kann, überflüssig wird. Den Kreislauf schliessen Nebst den professionellen Reinigungsmitteln und deren geschulter Anwendung sind keimfreie, saubere Putztücher die Basis für eine erfolgreiche Reinigung. Damit sich der Kreis des Reinigungsprozesses wieder schliesst, landen am Ende eines Reinigungsdurchlaufs die gebrauchten Putzlappen in einer mit einem Hygieneprogramm ausgestatteten Industriewaschmaschine. Hier werden Schmutzrückstände, Keime und Bakterien aus den Putztüchern mit umweltschonenden, antibakteriellen Waschzusätzen porentief und gründlich ausgewaschen.

Damit unsere Züge nicht nur oberflächlich sauber, sondern auch gründlich rein sind.