Verbesserte Pünktlichkeit in Einsiedeln

Die SOB erneuert am Bahnhof Einsiedeln die Gleisanlagen für rund 25,5 Millionen Franken. Sie verlängert die Doppelspur um 1,5 Kilometer und erhöht damit die Fahrplanstabilität. Zudem baut die SOB den Hausperron bei Gleis 1 behindertengerecht um. Ein guter Grund, dem Projektleiter Richard Enz auf den Zahn zu fühlen.

Text: Christopher Hug

Richard, im vergangenen Herbst starteten die Bauarbeiten am Bahnhof Einsiedeln. Was wird gebaut, und wie lange dauern die Bauarbeiten?

Wir erneuern die Gleisanlagen und passen sie den heutigen Bedürfnissen an. So bauen wir zehn neue Weichen ein und entfernen das sogenannte «Öl-Gleis», da die SBB-Cargo keine Öltransporte mehr nach Einsiedeln fährt. Die Doppelspur verlängern wir um rund 1,5 Kilometer. Damit diese gebaut werden kann, mussten wir den Bahndamm im Bereich Blatten auf einer Länge von rund 200 Metern verbreitern. Zudem errichteten wir bei der Landi eine 150 Meter lange Stützmauer für die Verbreiterung des Trasses. Ich bin froh, dass wir trotz Coronavirus im Zeitplan sind. Auch der milde und schneearme Winter hat dazu beigetragen. Im Bahnhof werden wir im Sommer den Hausperron bei Gleis 1 den heutigen Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) anpassen. Mit den gesamten Erneuerungen am Bahnhof Einsiedeln reduzieren wir in Zukunft die Unterhaltsarbeiten und -kosten. Wir schliessen die Hauptarbeiten Ende dieses Jahres ab.

Welche Arbeiten stehen in nächster Zeit an?

In einer weiteren Bauphase – im Abschnitt von der Alpbrücke bis zur Milchmanufaktur – erneuern wir die Fahrbahn und die Fahrleitungsanlage samt Mastfundamenten. Die Arbeiten führen wir in den ordentlichen Nachtbetriebspausen (zwischen Betriebsschluss und -aufnahme) durch. Aus Rücksicht auf die Anwohnerinnen und Anwohner achten wir darauf, dass lärmintensive Arbeiten wie Gleisbauarbeiten wenn immer möglich am Tag ausgeführt werden. Während der dreiwöchigen Streckensperre im Sommer stellen wir neue Fahrleitungsmasten auf, auch mit Unterstützung eines Helikopters.

Was bedeuten die Erneuerungen für den Betrieb?

Wovon profitieren die Reisenden? Dank der Verlängerung der 1,5 Kilometer langen Doppelspur kann der eine Zug bereits einfahren, wenn der andere ausfährt. Dadurch verbessert die SOB die Fahrplanstabilität, Verspätungen können aufgeholt und Anschlüsse zum Bus gewährleistet werden. Im Sommer brechen wir beim Hausperron die Rampe ab. Dadurch wird der Zugang zwischen Bahnhof und Bushaltestelle massiv verbreitert und für die Reisenden wesentlich verbessert. Die Wege im Bahnhof werden kürzer und attraktiver. Für die Fahrräder gibt es einen überdachten Veloständer mit 200 Plätzen. Ich freue mich jetzt schon auf den Anblick des modernen und grosszügigen Hausperronzuganges von der Dorfseite.

Was sind die Höhepunkte bzw. die grössten Herausforderungen bei den Bauarbeiten?

Eine grosse Herausforderung ist der Umgang mit dem Coronavirus. Für mich war und ist es wichtig, dass alle Sicherheitsmassnahmen auf der Baustelle umgesetzt werden, um so die Mitarbeitenden möglichst gut zu schützen. Ein Meilenstein war für mich sicher der Einbau der Spalt - weiche (Prototyp 900, G 1:19) bei der Einfahrt Blatten. Dabei handelt es sich um eine LCC-optimierte (LCC = «life cycle cost» bzw. Lebenszykluskosten) Prototypenweiche mit günstigeren Unterhaltskosten.

Eine schwierige Aufgabe ist sicher das Bauen unter laufendem Bahnbetrieb: Bis auf wenige Ausnahmen herrscht auf dem Nebengleis immer regulären Betrieb, was sicherheitstechnisch sehr anspruchsvoll ist. Eine weitere Herausforderung ist der permanente Zeitdruck. Wir müssen die Hauptarbeiten bis Ende 2020 abgeschlossen haben. Zum Glück kann ich auf ein eingespieltes und motiviertes Team zählen. Das Bauprojekt ist sehr reich an Schnittstellen und daher für alle Beteiligten fordernd. So sind unterschiedliche Ansprechpartner zu berücksichtigen und zu kontaktieren. Ich denke da an die zahlreichen privaten Eigentümer bei den Baustellenzufahrten und temporären Installationsplätzen oder an die Betriebe und Immobiliengesellschaften entlang der Strecke, die alle ihre individuellen Anliegen haben.

Im Sommer 2020 wird die Strecke Biberbrugg–Einsiedeln für drei Wochen gesperrt. Wieso? Was heisst das für die Reisenden?

Die Totalsperre vom 26. Juli bis zum 16. August ist eine direkte Folge des anspruchsvollen Zeitplans. In den drei Wochen können wir sehr effizient verschiedene Arbeiten im Bahnhofbereich durchführen. Wir arbeiten in dieser Zeit zwei- bis dreischichtig. Für die Arbeiten am Gleis ist die Sperre eine grosse Erleichterung, auch aus Sicherheitsgründen. Während der Wochenendsperre im Juni und der dreiwöchigen Totalsperre von Ende Juli bis Mitte August transportieren wir die Reisenden mit Bahnersatzbussen

Sind im Sommer noch andere Streckenabschnitte gesperrt?

Ja, wir nutzen Synergien von weiteren Projekten. Neben Einsiedeln sanieren wir in Wädenswil den Bahnübergang Seestrasse und erneuern die Fahrbahn auf einer Länge von 300 Metern Richtung Burghalden. Zudem wird auf der Strecke Wädenswil–Burghalden der Kabelkanal neu gebaut und die Brücke Burghalden II saniert. Vom 26. Juli bis zum 16. August ist auch die Strecke Wädenswil–Samstagern gesperrt. Während dieser drei Wochen verkehren Bahnersatzbusse nach speziellem Fahrplan durchgehend zwischen Wädenswil und Einsiedeln. Wählen Sie einen Bereich zum Kommentieren aus.

 

 

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