Schrebergärten entlang des SOB-Netzes

Schrebergärten sind für rund 27 000 Personen in der Schweiz ein Ort der Erholung in der Natur. Die meisten der kleinen Oasen dienen dem Anbau von Obst und Gemüse. Auch entlang der SOB-Strecke befinden sich Schrebergärten. Was aber ist das Spezielle an einem Schrebergarten? Um das herauszufinden, haben wir an das eine oder andere Gartentor entlang unseres Streckennetzes geklopft.

Text und Fotos: Julia Grob 

Walter Schmid, Nesslau

«Von 1980 bis 2007 arbeitete ich als Bahnhofsvorstand am Bahnhof Nesslau-Neu St . Johann. Zu Beginn habe ich auch – wie für die Bahnhofsvorstände üblich – mit meiner Familie im Bahnhofsgebäude gewohnt . Zu der grosszügigen Wohnung im Bahnhof gehörte auch ein Schrebergarten dazu, den ich mit Freude übernahm. Doch bei einem einfachen Schrebergarten sollte es nicht bleiben – ein Gartenhüsli musste her und so stand den kommenden Grillfesten nichts mehr im Wege. Als ich 2007 meinen Beruf als Bahnhofsvorstand aufgab und in Pension ging, durfte ich den Schrebergarten dennoch behalten. Fast täglich bin ich nun hier. Ein Schreibergarten braucht viel Zeit – gibt einem aber auch viel zurück. Täglich entdeckt man Neues. Und schliesslich habe ich Freude am Gärtnern. So weiss ich, woher das Gemüse und die Früchte kommen, und kann den Garten in all seinen Facetten erleben. Das geerntete Gemüse brauche ich hauptsächlich für den Eigenbedarf. Ist es doch mal zu viel für mich, deponiere ich das Gemüse in einer Kiste beim Bahnhof mit dem Hinweis, dass sich die Leute bedienen dürfen. So wechselt das Gemüse innerhalb kürzester Zeit seinen Besitzer.» 

Familie Huber, Wittenbach

«Als wir dieses bis dahin ungenutzte Grundstück vor rund 15 Jahren entdeckten, sah es noch so gar nicht nach Schrebergarten aus. Nach rund einem Jahr Arbeit waren dann die ersten Gartenbeete bereit für eine Bepflanzung. Bis heute gestalten wir die Beete regelmässig um und probieren gerne Neues aus. Seit einigen Jahren wohnen auch Kanarienvögel in unserem Schrebergarten. Hier finden 31 Vögel viel Platz und Freiraum. Diesen Freiraum geniessen aber nicht nur unsere Vögel – auch wir lieben unseren Platz in der Natur. Als Ausgleich zur sitzenden Tätigkeit als Lokführer ist das ‹Büetzen› im Schrebergarten eine willkommene Abwechslung. Man ist an der frischen Luft und bewegt sich. Wir besuchen fast jeden Tag unseren Schrebergarten – um die Vögel zu füttern oder um die Pflanzen zu wässern, wenn dies nicht von Petrus selbst erledigt wird. Einen Wasseranschluss gibt es auf dem Grundstück nicht . Das Wasser beschaffen wir uns auf eine andere Weise: In grossen blauen Kübeln sammeln wir bei Regen Wasser. Dass dies nicht immer reicht , bemerkten wir im vergangenen Sommer. Dank der freundlichen Unterstützung der Feuerwehr Wittenbach konnten wir unsere Pflanzen trotzdem wässern. Sie erlaubten uns, den Gartenschlauch am nächst liegenden Hydranten anzuschliessen, damit wir unsere Kübel trotzdem mit Wasser füllen konnten. Dass unser Schrebergarten so nahe am Gleis liegt , bemerken wir kaum. Die vorbeifahrenden Züge stören nicht . Im Gegenteil: Sollten wir unsere Uhr zu Hause vergessen haben, dienen die Züge zur zeitlichen Orientierung.» 

Familie Maurer, Burghalden

«Im Jahr 1995 übernahmen wir den Schrebergarten in Burghalden. Von Anfang an war für uns klar, dass wir diesen nicht nur zum Anpflanzen und Ernten von Gemüse benutzen, sondern, dass ein Gartenhaus für Grillfeste und gemütliche Stunden nicht fehlen durfte. Vor elf Jahren hat unsere Tochter Sibylle den Schrebergarten übernommen. Gemeinsam mit ihrer Familie verbringt sie hier vom Frühling bis Herbst viel Zeit – vor allem an den Wochenenden. Nebst dem Garten übernahm sie auch gleich unsere Wohnung in Burghalden. Da diese nur ein Katzensprung vom Schrebergarten entfernt liegt , ist das natürlich ideal. Und weil der Schrebergarten zu Fuss gut erreichbar ist , kann man sich hier nach getaner Arbeit auch mal ein Bierchen gönnen. Besonders viel Freude am Garten hat auch Familienhund Spike. Seit Neustem pflückt und nascht er Beeren – ganz und gar nicht zu unserer Freude. Alles, was bei uns im Schrebergarten wächst , gedeiht auf natürlichem Weg. Speziell angepflanzt wird nichts. Hier wachsen vor allem Beeren und schöne Blumen. Die Wiese vergrösserte sich im Laufe der Zeit immer mehr, und die Gartenbeete, in denen wir früher noch Gemüse für den Eigenbedarf anpflanzten, verschwanden.» 

Willy Hari, Brunnadern

«Die SOB kenne ich schon lange. Viele Jahre arbeitete ich in der Werkstatt in Herisau bei der damaligen Bodensee-Toggenburg-Bahn. Noch heute bin ich als Pensionär und Aktionär stark mit der SOB verbunden. Meinen Schrebergarten – gleich vor dem Tunneleingang des Wasserfluhtunnels – bewirtschafte ich seit rund zwölf Jahren. Unser Gartenhaus – die Villa Treno – steht jedoch schon viel länger. Es war jeweils im Besitz des Bahnhofsvorstandes, der am Bahnhof Brunnadern-Neckertal tätig war. Fast die halbe Woche verbringe ich hier in meiner Villa Treno. Begleitet werde ich oft von meiner Frau, aber auch unsere Kinder und Enkelkinder sind gerne hier. Neben der Pflege des Gartens – der viel Arbeit mit sich bringt – verbringe ich auch sonst gerne Zeit hier. Sei dies an einem kleinen Grillfest oder bei Kaffee und Kuchen. Ich bin sehr naturverbunden. Noch bevor ich diesen Schrebergarten zu meinem Eigentum zählen durfte, besass ich einen Garten, in dem ich und meine Frau allerhand Gemüse und Früchte anpflanzten. Neben meiner Arbeit hier im Garten engagiere ich mich auch sonst stark für die Natur.»