Für weitere 50 Jahre

Bei neuen Ingenieurbauten geht man von einer Nutzungsperiode von 100 Jahren aus. Dies gilt auch für die beiden Tunnels zwischen St. Gallen St. Fiden und Wittenbach. Bruggwald- und Galgentobeltunnel werden 2018 für 24 Mio. Franken im Rahmen einer neunwöchigen Streckensperre für weitere 50 Jahre gerüstet. Zeitgleich wird der Studerswilenbach verlegt.

Text: Ursel Kälin, Foto: SOB, Grafik: Sags 

Der Bruggwald- wie auch der Galgentobeltunnel wurden 1910 für die Inbetriebnahme des Streckenabschnitts Romanshorn–St. Gallen fertiggestellt. Beim 96 Meter langen Galgentobeltunnel mit seinem mehrheitlich aus Natursteinmauerwerk bestehenden Gewölbe werden die teils schadhaften Spritzbetonstellen ausgebessert, die Fahrbahn ersetzt, die Entwässerung erneuert sowie eine Deckenstromschiene eingebaut. 

Ein Blick zurück

Weit aufwendiger und umfangreicher gestaltet sich die Erneuerung des 1 731 Meter langen Bruggwaldtunnels. Bereits 1967, also über 50 Jahre nach dem Bau, wurde er umfassend saniert. Dort, wo kein Sohlengewölbe eingebaut wurde, hat Sickerwasser nach und nach zur Verschlammung des Gleiskörpers geführt. In der Folge konnten die Züge nur mit reduzierter Geschwindigkeit verkehren. Nachträglich wurde auf einer Länge von 500 Metern ein Sohlengewölbe eingebaut. Ausserdem wurden Fahrbahn, Entwässerung und schadhaftes Gewölbe im Tunnel erneuert. Die Bauzeit betrug rund zwei Jahre. Aus heutiger Sicht ist das kaum vorstellbar, aber in den florierenden 60er-Jahren, als Autos zum Statussymbol wurden, waren längere Streckensperrungen mit Bahnersatz – auch bedingt durch die wirtschaftliche Situation der Bahn – völlig ausgeschlossen.

Einen weiteren baulichen Eingriff erfuhr der einspurige, über 100-jährige Bahntunnel auf einer Länge von gut 70 Metern im Rahmen der Angebotsverbesserung auf den Achsen Zürich–München und St. Gallen–Stuttgart. Für die Realisierung der Verbindungsspange von der SOB-Linie zur neuen Doppelspur Engwil–St. Gallen St. Fiden und die Verbreiterung des Tunnels um drei Meter für Doppelspur und Weicheneinbau benötigten die Akteure 2009 fünf Wochen Totalsperre.

Neu mit fester Fahrbahn

2018 steht nun – wieder nach gut 50 Jahren – eine weitere Erneuerung des Bruggwaldtunnels an. Das Gewölbe aus Natursteinmauerwerk wurde mit Spritzbeton abgedichtet, der, wie aktuelle Untersuchungen belegen, Schadstellen aufweist. Deshalb ersetzt die SOB dort die beschädigte Spritzbetonschale, erneuert die Entwässerung und saniert die Fugen. Eine weit umfangreichere Arbeit mit enormem Materialumschlag jedoch ist der Ersatz der alten Fahrbahn durch eine feste Fahrbahn. Damit kann grösstenteils auf eine Absenkung der Tunnelsohle verzichtet werden. Neu wird im Bruggwaldtunnel ebenfalls eine Deckenstromschiene eingebaut, um zusätzlich etwas Höhe für die Doppelstocktauglichkeit zu gewinnen. 

Totalsperre von neun Wochen

Die Bauarbeiten beginnen Anfang April 2018 und dauern bis in den Herbst hinein. Während der Vor- und Nacharbeiten wird in verlängerten Nachtpausen von 20.50 bis 5.10 Uhr gearbeitet. Während der 9-wöchigen Totalsperre vom 9. Juli bis 9. September 2018 ist die Strecke Wittenbach–St. Gallen St. Fiden unterbrochen. Für die Reisenden bedeutet dies, dass zwischen Wittenbach und St. Gallen während der Vor- und Nacharbeiten sowie während der Totalsperre Bahnersatzbusse verkehren werden. Dass dieses Vorgehen die beste Variante ist, haben Untersuchungen gezeigt. Eine Ausführung in Totalsperre beansprucht in jedem Falle am wenigsten Bauzeit, da rund um die Uhr gearbeitet werden kann. Damit können langzeitige Langsamfahrstellen und hohe Risiken für die Betriebssicherheit vermieden werden. 

Koordination mit Kantons- und Gemeindeprojekt

Integriert in die SOB-Infrastrukturerneuerungen wird ein Kantons- und Gemeindeprojekt. Der Studerswilenbach, der bisher als Aquädukt über die SOB-Linie führte, wird verlegt. Er soll eingedolt, das heisst in Röhren über den SOB-Tunnel geführt werden. Dazu ist eine entsprechende Tunnelverlängerung von rund zehn Metern Länge notwendig, die sich zusammen mit den Sanierungsarbeiten ausführen lässt. Die anschliessende Instandstellung der Gleisanlagen im Bahnhof Wittenbach im Umfang von rund 6 Mio. Franken wird mit den Tunnelarbeiten ebenfalls zeitlich koordiniert.