Immer der Nase nach

In jedem Schriftzug stellen wir Ihnen einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der SOB vor. In dieser Ausgabe interessiert uns das Hobby von Iris Mumenthaler, Sachbearbeiterin Einkauf. Ihre Freizeit verbringt sie mit ihrer ständigen Begleiterin, der Hündin Kela. Das unzertrennliche Duo engagiert sich leidenschaftlich für die Personensuche, das sogenannte «Mantrailing». Ich durfte die zwei bei einem eindrücklichen Training begleiten.

Text und Fotos: Ramona Tiefenthal

Der Begriff «Mantrailing» setzt sich aus den englischen Wörtern «man» für «Mensch» und «trail» für «Spur» zusammen. Jeder Mensch hat einen eigenen Geruch, der so einzigartig ist wie sein Fingerabdruck. Da der Geruchssinn eines Hundes etwa eine Million mal stärker ausgeprägt ist als der des Menschen, ist der Hund in der Lage, eine Duftspur zu verfolgen und so sein Ziel aufzuspüren. 

Zurück zur Natur

«Das Tolle am Mantrailing ist, dass es dem natürlichen Verhalten des Hundes entspricht», meint Iris, während sie ihrer Hündin Kela das Brustgeschirr anlegt. «Der Hund ist ein Jäger. In der Natur verfolgte er ursprünglich die Spur eines Beutetiers, um an Nahrung zu gelangen. Hier machen wir praktisch dasselbe – nur gibts am Ende ‹Le Parfait› aus der Tube», lacht sie. Bei Kela ist die Vorfreude deutlich zu spüren: Seit sie das Brustgeschirr gesehen hat, winselt sie und ist ganz zappelig. «Sie weiss ganz genau, dass es bald losgeht», erklärt Iris. «Das ist das Schöne an diesem Training – wenn ich sehe, wie viel Spass Kela dabei hat, freue ich mich mit ihr. Die positive Energie des Hundes ist richtig ansteckend.»  

Für alle Zwei- und Vierbeiner geeignet

Solange Hund und Halter noch einigermassen gut zu Fuss sind, eignet sich das Mantrailing für alle. Ausschlusskriterien gibt es kaum. «Wenn der Hund nicht aggressiv gegenüber Menschen oder seinen Artgenossen ist, steht einer Teilnahme am Training nichts im Weg. Bei uns ist von der Deutschen Dogge bis zum Zwergpinscher alles vertreten.» Heute Nachmittag sind beim Training neben Kela – sie ist übrigens ein Irish Soft Coated Wheaten Terrier – auch ein Labrador, ein Terrier-Mischling und ein Belgischer Schäferhund mit von der Partie. 

Ein eingespieltes Team

«Kela ist bei mir, seit sie ein Welpe ist. Das ist mittlerweile schon über elf Jahre her. Seit Kurzem ist sie auf dem rechten Auge blind. Das beeinträchtigt sie beim Mantrailing aber nicht. Hier kommt es nur auf die Nase an, und diese funktioniert noch einwandfrei.»

Dass die zwei sich gut kennen, ist spürbar. Iris nimmt jede Reaktion, die während der Suche von Kela ausgeht, sofort wahr. Sie sind ein eingespieltes Team. Das Mantrailing hat die Beziehung von Iris und Kela noch verstärkt: «Als Halterin lernt man viel – vor allem, seinen Hund und dessen Körpersprache richtig zu lesen. Ausserdem lernt man, seinem Hund zu vertrauen. Während der Suche ist der Hund der Chef, und als Halterin muss man sich darauf einlassen. Das ist am Anfang gar nicht so einfach.» 

Hoch hinaus

«Eines der besten Erlebnisse hatte ich bei einer Suche im Wald», erinnert sich Iris. «Es war ein langer Trail, und Kela und ich waren schon einige Zeit unterwegs. An einer Stelle stand eine Leiter, und Kela wollte auf Biegen und Brechen diese Leiter hochklettern. Egal was ich versucht habe, sie liess sich einfach nicht überzeugen, weiterzugehen. Ich habe eine ganze Weile benötigt, bis ich realisierte, dass es der Aufstieg zu einem Hochsitz ist und sich die gesuchte Person da oben versteckt», lacht sie. «Das war ein grosses Erfolgserlebnis.»

Auf meine Frage, in welchem Gelände Iris am liebsten trailt, bekomme ich ohne Zögern eine Antwort: «Die Abwechslung macht es spannend.» Und nach kurzem Überlegen: «Am liebsten bin ich in der Stadt unterwegs. Hier gibt es viele Reize und Ablenkungen, die Kela und ich ausblenden müssen. Es gibt auch Gefahren, auf die man achten muss. Ich muss zum Beispiel aufpassen, dass Kela nicht einfach über eine befahrene Strasse rennt, wenn sie eine Spur verfolgt.»

Alt, gefroren und verbrannt

Iris und Kela lieben Herausforderungen. Heute Nachmittag hat Kela am Autositz der «vermissten» Person geschnüffelt, um ihren Duft aufzunehmen. Aber auch bei einer schwierigeren Ausgangslage bleiben die beiden gelassen. In der Vergangenheit haben sie auch schon eine Versteckperson gefunden, die 72 Stunden vor der Suche einen bestimmten Weg abgelaufen war! Und nicht nur das: «Wir haben die Geruchsträger – sprich das Objekt, an dem der Hund riecht, um den Duft der gesuchten Person aufzunehmen – auch schon tiefgefroren oder verbrannt. Aber die Hunde lassen sich nicht so leicht täuschen», meint Iris stolz und streichelt Kela liebevoll über den Kopf. Sie ist zu Recht stolz: Auch in diesen Fällen haben sie die gesuchten Personen problemlos aufgespürt. Die beiden sind einfach ein super Team.   

Kurse

Der Verein «Mantrailing Schweiz» bietet ein umfassendes Kurs- und Seminarangebot an. Die Trainingsgruppen finden an verschiedenen Tagen zu unterschiedlichen Zeiten, vorwiegend im Raum Horgen, statt.

www.mantrailing-schweiz.ch