Wo Fahrzeuge regenerieren.

In ihren zwei Service-Zentren in Herisau und Samstagern wartet und repariert die SOB eigenes und fremdes Rollmaterial. Dieses Angebot will sie auch in Zukunft aufrechterhalten und in der Branche als Kompetenzzentrum für die Instandhaltung von Rollmaterial wahrgenommen werden.

Text: Claudine Gund, Fotos: SOB

Die SOB hat eine klare Strategie: Sie will sich weiterentwickeln. Jüngster Beweis ist ihr Sprung aufs Fernverkehrsparkett. Auch eigene bzw. bestehende Angebote in anderen Geschäftsbereichen will sie ausbauen. Dazu gehören zum Beispiel Drittgeschäfte im Geschäftsbereich Support, also der Unterhalt fremder Fahrzeuge.  

Lebenszyklus verlängern

Die SOB hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht als kompetente Anlaufstelle für die Instandhaltung von Lokomotiven, Reise- und Güterwagen. Immer wieder steht in den Service-Zentren zwischen allen Voralpen-Express-Fahrzeugen und SOB-Flirts fremdes Rollmaterial. Ebenso wie Unternehmen aus der Gleisbaubranche vertrauen auch andere Bahnunternehmen dem Know-how der SOB und bringen ihre Fahrzeuge für eine Wartung oder Revision nach Herisau oder Samstagern.

Was mit einem Fahrzeug im Service-Zentrum geschieht, hängt von seinem Zustand und dem Kundenwunsch ab. Das Angebot der SOB ist breit und geht weit über klassische Reparaturen hinaus. Wenn der Kunde selbst nicht weiss, was an seinem Fahrzeug zu tun ist, nehmen die SOB-Mitarbeitenden es zuerst genau unter die Lupe und notieren alle Mängel und Schäden. Anhand dieser Zustandsaufnahme, die je nach Schadensbild einen bis drei Tage dauern kann, erstellt sie eine Offerte.

Von Kopf bis Fuss, vom Dach zum Rad

Oft sind Revisions- und Wartungsarbeiten Teile der Offerte. Unter Revision versteht man die Durchsicht und Kontrolle einer Komponente, zum Beispiel eines Drehgestells oder Bremssatzes, aber auch der gesamten Elektronik. Je regelmässiger ein Fahrzeug revidiert wird, desto eher fallen Mängel auf und können repariert werden, bevor sie zu einem (Sicherheits-)Problem werden. Ebenso regelmässig wie Revisionsarbeiten sollten Wartungsarbeiten erfolgen. Darunter fallen sämtliche Arbeiten an einer Anlage, wodurch sie funktionsfähig bleibt. Die SOB wartet zum Beispiel Radsätze, Zug- und Stossvorrichtungen sowie Bremsen. Auch hier stets mit dem Ziel, dass die Komponente möglichst lange genutzt werden kann; Stichwort Life-Cycle-Management.

Obwohl die Service-Zentren in Herisau und Samstagern mit modernsten Maschinen und Messsystemen ausgestattet sind und die SOB in der Lage ist, viele Ersatzteile in der eigenen Werkstatt zu fertigen, muss auch sie manchmal Hilfe von aussen beanspruchen. Für Schweissarbeiten an tragenden Elementen fehlt ihr zum Beispiel die Berechtigung, und auch Elektromotoren muss sie extern revidieren lassen. Das über all die Jahre aufgebaute, gute Verhältnis zu anderen Anbietern von Rollmaterialinstandhaltungen zahlt sich in diesem Fall aus, sodass die SOB bei denselben diese Leistungen ein- und ihrem Kunden weiterverkaufen kann. 

Interessantes Zusatzgeschäft

Das Geschäft für Dritte hat Potenzial. 2016 hat der Geschäftsbereich Support hier einen Umsatz von 600 000 Franken erwirtschaftet. Immer eine besondere Freude sind den SOB-Handwerkern die historischen Bahnwagen, die ihre Wege nach Herisau oder Samstagern finden. Für den Unterhalt dieser älteren Wagen ist mechanisches Wissen gefragt, das langsam zu verschwinden droht, das sich die SOB aber über all die Jahre bewahrt hat – und bewahren will. Einer der letzten Patienten, den die SOB behandelt hat, ist ein 1892 gebauter Personenwagen der Zürcher Museums-Bahn, der bei einem Unfall im Winter 2016 schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Fünf SOB-Mitarbeitende haben in rund 1 000 Stunden sämtliche Teile des Untergestells demontiert, repariert und neu gerichtet, den Wagenkasten auseinander- und wieder zusammengebaut und die Abdeckungen lackiert oder gespritzt, sodass das Fahrzeug am 13. April 2017 nach fünfmonatiger Reha bei prächtigem Frühlingswetter aus dem Service-Zentrum in Samstagern entlassen werden konnte.

Die SOB hat aber auch Stammkunden, zum Beispiel die Jurabahnen (Chemins de fer du Jura, kurz CJ), die ihre Fahrzeuge regelmässig in die Ostschweizer Hausgarage überführen. Die nächste Erholungskur für das CJ-Rollmaterial steht im Dezember 2017 an. 

Maschinenpark in den Service-Zentren

Die beiden Service-Zentren der SOB sind unterschiedlich ausgestattet. In der Halle in Herisau überdreht die SOB hauptsächlich Radsätze auf der Unterflurdrehbank (Wiederherstellung von Radprofilen), in Samstagern stehen aufgrund der Ausrichtung auf schwere Instandhaltung mehr Maschinen für die Metallverarbeitung.

Herisau:

  • Unterflurdrehbank
  • Dacharbeitsstand für Wagen
  • Fahrzeugwaschanlage

Samstagern:

  • Fahrzeugabhebeanlage für 75-m-Fahrzeuge
  • Drehgestell-Prüfstand für Normalspur-Drehgestelle
  • Prüfstand für Pneumatikventile
  • Kleinteilwaschanlage
  • Fahrzeugwaschanlage

In Samstagern gibt es zudem eine Spritzkabine, in der die SOB-Fahrzeuge lackiert und beschriftet werden.