Konstante Überwachung der Gleisanlagen

Für die SOB ist die Sicherheit der Reisenden und der Mitarbeitenden absolut zentral. Darum hat die regelmässige Kontrolle der Gleisanlagen hohe Priorität. Aktuell fährt ein Messwagen einmal pro Jahr auf dem SOB-Streckennetz, und die Streckenläufer kontrollieren dieses monatlich. Die SOB geht nun einen Schritt weiter und testet als eines der ersten Eisenbahnverkehrsunternehmen in der Schweiz ab sofort das sogenannte «Onboard Monitoring».

Text und Fotos: Christopher Hug 

Aktuell lässt die SOB das 123 Kilometer lange Streckennetz einmal pro Jahr durch einen Messwagen der SBB kontrollieren. Dieser ist mit verschiedenen optischen Sensoren ausgerüstet. Das Fahrzeug fährt mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde über die Gleise und misst ihre Geometrie im Abstand von jeweils 20 Zentimetern. Für eine digitale Auswertung steht somit ein Datensatz pro Jahr zur Verfügung. Zusätzlich laufen zwei Streckenläufer monatlich das gesamte Streckennetz der SOB ab und kontrollieren die Gleise sowie das gesamte Umfeld der Anlagen. Die Streckenläufer richten auch ein besonderes Augenmerk auf die Umgebung und begutachten dabei die Fahrleitungsmasten, die Lage der Bäume in Gleisnähe, grössere Steine an den Hängen oder im Winter die Bildung von Eiszapfen.

Unterhalt wo nötig
Das Messsystem «Onboard Monitoring», was übersetzt «Überwachung an Bord» bzw. «eingebaute Überwachung» heisst, läuft seit Kurzem als mehrjähriger Test bei der SOB. Mit einer stetigen Messung auf einem regulären Personenzug soll eine mögliche Veränderung der Gleise rascher und digital erfasst werden. Zuerst wird eine Messung der Längshöhe getestet. Dies ist ein Mass für die Ebenheit der Gleise in der Längsrichtung. Abweichungen von bereits zehn Millimetern sind gefährlich und müssen sofort behoben werden. Nächstes Jahr konzentriert sich das Projektteam auf das Messen der Verwindung. Bei dieser Messung wird die Höhenveränderung zwischen der linken und der rechten Schiene aufgezeigt. Dieser Wert ist ebenfalls relevant für die Sicherheit, und die Grenzwerte müssen stets eingehalten werden. «Das Ziel von ‹Onboard Monitoring› ist der zustandsbasierte Unterhalt. Das heisst, dass wir nur noch dort Unterhaltsarbeiten ausführen, wo es diese auch wirklich braucht, und nicht nach einem festen Zeitplan mit fixen Intervallen», erklärt Reto von Planta, Leiter Ausführung der SOB-Infrastruktur. Nach seiner Einschätzung wird es den Streckenläufer aber auch in Zukunft brauchen, denn das «Onboard Monitoring» überwacht nur die Gleisanlagen regelmässig und äusserst genau, nicht aber das Umfeld. Der Streckenläufer hingegen beurteilt auch die Umgebung und kann mögliche Gefahren für die Gleise frühzeitig erkennen.

Grössere Sicherheit bei kleineren Kosten
Im Juli dieses Jahres hat die SOB ein Flirt-Fahrzeug mit dem «Onboard Monitoring»-Messsystem ausgerüstet. Dabei wurden die Messgeräte mit den Sensoren direkt auf die Radsatzlager montiert. Bei der Messung auf dem Radsatzlager ist sichergestellt, dass es keine Verfälschungen durch die Federung am Fahrzeug gibt. Die erhobenen Daten werden eins zu eins an den Computer im Zug weitergeleitet und dann an die swissTAMP* der SBB übermittelt, wo sie ausgewertet und aufgearbeitet werden. Die Auswertung der swissTAMP beinhaltet unter Berücksichtigung der vorgeschriebenen Grenzwerte verschiedene Parameter die grafisch aufgearbeitet werden – zum Beispiel, wie viel Prozent des zulässigen Geometriefehlers bereits erreicht sind. Grün heisst bei dieser Auswertung, dass sich die Ergebnisse innerhalb des Grenzwertes bewegen und kein Handlungsbedarf besteht. Wenn ein Ergebnis rot markiert ist, muss zwingend gehandelt werden. Zusätzlich kann das System berechnen, wie schnell sich ein Fehler entwickelt und wann der Grenzwert überschritten wird. «Zum Glück sind es ganz selten Notfälle, die wir sofort angehen müssen. Meist können wir die erforderlichen Arbeiten in die Unterhaltsplanung einfliessen lassen», stellt Reto von Planta klar. Bei so vielen Daten und Auswertungen ist es eine grosse Herausforderung, die Übersicht zu behalten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. «Wichtig ist, dass wir mit der konstanten Überwachung der Gleisanlagen die Sicherheit weiter erhöhen können. Natürlich freut es mich, dass wir bei den Unterhaltsarbeiten dank den gezielten Arbeitsvergaben die Kosten zukünftig senken können», sagt Reto von Planta. Mit einem ausgerüsteten Fahrzeug ist die SOB in der Lage, ihr gesamtes Netz konstant zu überwachen. Sie prüft allerdings die Möglichkeit, in Zukunft noch ein zweites Fahrzeug auszurüsten – so könnten die Messungen auch dann stattfinden, wenn das eine Fahrzeug vorübergehend ausfallen sollte.
Die Technologie ist klar auf dem Vormarsch. Den Menschen mit seiner Erfahrung und seinem Blick fürs Ganze braucht es aber auch in Zukunft.

*swissTAMP steht für «Track Analysis and Maintenance Planning». Die webbasierte Software stellt die Messwerte zusammen mit Stammdaten der Infrastruktur (Brücken, Fahrbahntyp etc.) dar und wird für diverse Berechnungen und Prognosen verwendet.