Sind Sie verbunden?

Heute gehört zu einer angenehmen Zugfahrt mehr als ein bequemer Sitz und eine schöne Aussicht. Zu jeder Jahreszeit soll die Temperatur im Wagen weder zu hoch noch zu niedrig sein. Das Mobiltelefon benötigt einen aufgeladenen Akku. Verfügt der Wagen über Steckdosen? Und vor allem: Ist der Mobilfunkempfang auf der Strecke gewährleistet?

Text: Andreas Gerber, Ramona Tiefenthal
 

Die SOB bringt ihre Passagiere sicher, pünktlich und komfortabel von A nach B. Aber sie will mehr. Denn weitere Bedürfnisse ihrer Kundschaft bestmöglich zu erfüllen, hat für sie genauso Priorität. In der modernen Gesellschaft ist eines dieser Bedürfnisse der uneingeschränkte Zugang zum Mobilfunk – auch unterwegs.


Wie eine Mauer
Das Liniennetz der SOB führt durch urbanes Gebiet, aber auch durch verwinkelte Täler und abgelegene Ortschaften. In gewissen Regionen ist die Netzabdeckung entsprechend schwach. Die Fensterscheiben der Züge verringern den Signalempfang im Zug zusätzlich.
Die aktuelle Flirt-Flotte der SOB ist mit Zweischeiben-Isolierverglasungen ausgerüstet. Die Zwischenräume zwischen diesen Gläsern sind mit Edelgas gefüllt. Zusätzlich ist die Innenseite des äusseren Glases mit einer metallischen Schicht bedampft. Diese Beschichtung reduziert den Wärmefluss vom Fahrzeug nach aussen und umgekehrt, was zu einer besseren thermischen Isolation der Fahrzeughülle und damit zu einem angenehmen Klima im Wagen beiträgt. Diese positiven Eigenschaften reduzieren allerdings den Mobilfunkempfang in den Fahrzeugen: Auf elektromagnetische Wellen – also zum Beispiel Mobilfunkstrahlen – wirkt die Beschichtung wie eine undurchdringbare Mauer. Die Signale werden somit stark reduziert und die Empfangsqualität des Mobilfunks im Wageninnern erheblich beeinträchtigt.

Erfolgreiche Versuche mit Laserbehandlung
In einem Prototypprojekt hat die SOB Anfang 2017 neuartige Fensterscheiben getestet. Deren metallische Beschichtung wurde an bestimmten Positionen mit einem Laser entfernt, sodass sie eine sehr feine Gitterstruktur aufweist. Das Scheibenglas selbst wurde dabei nicht verändert. So werden die Signale des Mobilfunks weniger stark gedämpft, und der Signalempfang im Zug verbessert sich selbst bei schwacher Netzabdeckung wesentlich. Den Pilotversuch hat die SOB im B- und im C-Wagen des Flirt RABe 526 063-3 durchgeführt. Nach rund 18 Monaten Pilotbetrieb können die Projektverantwortlichen ein positives Fazit ziehen: Der Mobilfunkempfang in den beiden Wagen ist im Vergleich zu einem nicht umgerüsteten Fahrzeug messbar besser.


Feiner als ein menschliches Haar
Die hauchdünnen Linien in der Scheibenbeschichtung sind für das menschliche Auge nur bei genauem Hinsehen und im Gegenlicht als feine Gitterstruktur erkennbar. Der Abstand zwischen den Linien beträgt jeweils 2 mm, was eine quadratische Fläche von jeweils 4 mm2 ergibt. Beim Prototyp sind die Linien 0,2 mm dick. Verbesserungspotenzial besteht allerdings noch immer, denn die visuellen Auswirkungen der Laserbehandlung sind noch zu hoch für eine serienreife Qualität. Schaut man genau hin, erkennt man die feine Gravur an der Scheibe. Da sich ein paar Fahrgäste daran gestört haben, hat die SOB auf diesen Fenstern Informationskleber angebracht.
Für die Serienproduktion der Scheiben konnte die Linienstärke um den Faktor 4 verkleinert werden – die einzelnen Linien sind also nur noch 0,05 mm dick. Das entspricht in etwa dem Durchmesser eines menschlichen Haars. Im Vergleich zum Prototyp stellen die Serienscheiben damit mit gleicher Signaldurchlässigkeit eine deutliche visuelle Verbesserung dar.


39 Fahrzeuge – 2 745 Scheiben
Damit die SOB den Wunsch ihrer Kundschaft nach flächendeckendem gutem Empfang in den Zügen erfüllen kann, rüstet sie ihre gesamte bestehende Flotte der Flirt 1 und 2 mit den neuen Fensterscheiben aus. Seit Sommer 2018 werden die Scheiben in den 23 Fahrzeugen sukzessive ersetzt. Das neue Rollmaterial, wie der kupferfarbene Traverso oder die neue Flirt-3-Flotte, verfügt bereits ab Werk über die hochfrequenzdurchlässigen Scheiben. Diese Züge werden spätestens ab Fahrplanwechsel im Dezember 2019 auf den SOB-Linien unterwegs sein.
Die Fahrgäste der SOB dürfen sich dank dieser Technologie in Zukunft über einen wesentlich verbesserten, zuverlässigeren Empfang in den Zügen freuen.