Traverso braucht Platz

Damit der neue 150 Meter lange Traverso im Service-Zentrum in Herisau Platz hat, hat die Südostbahn die Halle umgebaut und punktuell vergrössert. Für die Umbauarbeiten investierte sie rund sechs Millionen Franken.

Text: Christopher Hug

Die Südostbahn betreibt je ein Service-Zentrum in Herisau und Samstagern. An beiden Standorten reinigt sie die Züge und führt Unterhaltsarbeiten durch. In Samstagern führt sie zudem die schwere Instandhaltung der Züge aus (Revision der Drehgestelle).

Der neue Traverso ist mit 150 Metern Länge für die bestehenden Arbeitsgruben in der Halle des Service-Zentrums in Herisau zu lang bzw. die Arbeitsgruben um ein paar Meter zu kurz. Bei den alten, rund 200 Meter langen Voralpen-Express- Kompositionen konnten einzelne Bahnwagen ins Service-Zentrum gefahren und gewartet werden.

Dies war Auslöser, die Halle teilweise zu erneuern und punktuell zu vergrössern. Bei dieser Gelegenheit wurden die vier Gleise in der Halle angepasst und weitere Erneuerungen, wie der Einbau einer neuen Hebebühne beim Gleis 3, umgesetzt. Die Planung für das Projekt «TAPA» – was für «Teilanpassung» steht – dauerte drei Jahre.

Umbau unter laufendem Betrieb
Vorgängig führte die Firma TBF + Partner AG, Zürich, eine Studie dazu durch, ob ein Abriss und Neubau zielführender wäre als eine Anpassung der bestehenden Halle. Diese Variante wurde aber aufgrund zu hoher Investitionskosten und nicht nachweisbarer Wirtschaftlichkeit verworfen. So starteten die Bauarbeiten für eine Teilanpassung des Service-Zentrums am 18. März 2019. Seit diesem Datum arbeiteten die Angestellten des Service-Zentrums in Herisau unter erschwerten Bedingungen, da die Umbauarbeiten unter laufendem Betrieb stattfinden. Zu Beginn der Bauarbeiten waren die Mitarbeitenden des Service-Zentrums durch eine Staubwand von der Baustelle getrennt. Aufgrund von übergreifenden Bauarbeiten in der ganzen Halle, wie dem Einbau neuer Gleise oder dem Legen von Wasser- und Abwasserleitungen, arbeiten sie seit Oktober 2019 im sogenannten Mischbetrieb. Das heisst ohne Staubwand und ohne strikte Trennung.

«Für die Mitarbeitenden im Service-Zentrum war 2019 ein herausforderndes Jahr, vor allem die letzten drei Monate. Sie mussten flexibel und zusätzlich mit Lärm- und Staubbelastungen arbeiten», erklärt TAPA-Gesamtprojektleiter Thomas Albrecht. Das Nadelöhr der Baustelle war die Anlieferung auf einer schmalen Strasse mit enger Kurve und einem Bahnübergang. Da sind eine gute Planung und die vorgängige Abfrage des Fahrplans bei Zu- und Abfahrten ein Muss.

Apropos Planung: Dank durchdachter Bauplanung und geschickten Verhandlungen konnten im vorgegebenen Budget von sechs Millionen Franken zwölf zusätzliche Optionen realisiert werden. So zum Beispiel die Erneuerung von Gleis 4, die Kürzung von Gleis 1 und 2 mit Bodensanierung und der Rückbau des nicht mehr benötigten Portalkrans vor der Halle Richtung St. Gallen. Die Bauarbeiten wurden in drei Teilprojekte aufgeteilt:

Teilprojekt 1: Grubenverlängerung für die Gleise 1 und 2
In den Gruben arbeiten die Mitarbeitenden des Service- Zentrums stehend unter den Zügen. Die Gruben für die Gleise 1 und 2 verlängerte die SOB um je 50 Meter. Die Bauarbeiter sanierten den Bodenbelag und füllten zwei alte, nicht mehr benötigte Gruben auf. Zudem pfählten sie einen Abschnitt von 20 Metern mit acht Meter langen Elementen bis auf den Felsgrund. Der Aufenthaltsraum wurde verlegt und ein zusätzliches Büro für die Logistik eingebaut.

Teilprojekt 2: Einbau Hebebühne und Einkürzung Gleis 3
Das Gleis 3 wurde gekürzt, sodass dort neu eine Hebebühne als Liftersatz das Untergeschoss mit dem Erdgeschoss verbindet. Zur Absicherung dieser Hebebühne musste zusätzlich ein neuer Prellbock eingebaut werden. Der alte Warenlift beim Gleis 1 war aus Platzgründen nicht mehr nutzbar und wurde rückgebaut. Die Grube mit einer Länge von 75 Metern bleibt bestehen und bietet so Platz für einen vierteiligen Flirt.

Teilprojekt 3: Verlängerung Gleis 4
Als drittes Teilprojekt ersetzte die SOB das Gleis 4 im hinteren Bereich auf einer Länge von 40 Metern und verlängerte es um rund vier Meter. Diese Verlängerung wird benötigt, damit ein «halber» Traverso (75 Meter) mit allen Achsen auf die Unterflurdrehbank passt. Dort werden unter anderem komplette Züge, einzelne Drehgestelle oder Radsätze bearbeitet oder der Hohllauf von Bremsscheiben korrigiert. «Das Teilprojekt 3 war das anspruchvollste Teilprojekt», so Thomas Albrecht. Damit die Schienen verlängert werden konnten, musste vom ältesten Teil des Gebäudes (Baujahr 1918) eine Fassadenecke entfernt und neu abgefangen werden. Dies war ein grosser Eingriff in die Statik des alten Gebäudes, das in Mischbauweise (massives Mauerwerk mit Holzträgern) erbaut worden war.

Die Bauarbeiten werden im Dezember 2019 abgeschlossen sein. «Wir sind auf Kurs und schliessen zeitlich wie auch finanziell gemäss Planung ab», so Thomas Albrecht.

Arbeiten im Service-Zentrum Herisau

  • präventive und kurative Instandhaltung (Reparaturen)
  • Fahrzeugreinigung innen und aussen
  • Arbeiten auf der Unterflurdrehbank, wie Räder bearbeiten oder Hohllauf von Bremsscheiben korrigieren
  • Reparatur und Revision von WC-Einheiten
  • Wechseln einzelner Drehgestelle oder Radsätze