Gemischtes an Lager

Unter dem Service-Zentrum in Samstagern tut sich auf ungefähr 5800 Quadratmetern (entspricht der Fläche von rund 4,5 Olympiaschwimmbecken) eine eigene Welt auf. Fein säuberlich sortiert und beschriftet liegen im unterirdischen Lager über 27 000 verschiedene Artikel. Ein Blick in den Gemischtwarenladen offenbart manch Kurioses.

Text: Denise Debrunner
Foto: Julia Grob

Dienstkleider und Helme, Werkzeuge, Farben, WC-Papier, Kaffeebohnen und Becher für den Kaffeeautomaten im Voralpen-Express, Reinigungsmittel für die Fahrzeuge und die Immobilien, Leuchtmittel, Drehgestelle, Kabelbinder, ein Transformator, verschiedenste Schrauben, ein Klimagerät und viele weitere grosse und kleine, teure und günstige Artikel befinden sich in unserem Lager. Oder besser: in unseren drei Lagern. Das grösste ist in Samstagern, das zweitgrösste im Service-Zentrum in Herisau und ein drittes an der Güterstrasse in Herisau. Hinzu kommen weitere Räume, in denen wir Kleinwaren vor allem für den täglichen Gebrauch lagern. Hier den Überblick zu behalten, ist anspruchsvoll. Unserem Lager- und Einkaufsteam gelingt dies dennoch gut. Auch dank einer Software, die sämtliche Artikel – zumindest virtuell – an einem Ort zusammenbringt.

Kosten vs. Platz

Lagerartikel binden Geld. Das können sich alle vorstellen, die daheim regelmässig den Vorratsschrank mit Esswaren füllen. Der Wert unseres Lagers beläuft sich heute auf einige Millionen Franken – Geld, das in Waren gebunden ist. Der Betrag ist in den letzten Jahren tendenziell gestiegen, da wir immer mehr Kleinlager aufgelöst und alle Artikel in unserer zentralen Software erfasst haben. Das Zusammenlegen zahlt sich trotzdem längerfristig aus. Dadurch, dass die Einkaufsprofis ein Auge auf die Menge der gelagerten Artikel und deren Verbrauch haben, können die Lagerkosten effizient gesenkt werden. Das ist ein Ziel. Ein weiteres ist es, den Platzbedarf zu reduzieren.

Ein Beispiel: In Samstagern lagern wir Weichenbesen, mit denen wir Weichen von Schnee und Eis befreien können. Früher gab es Reservebesen in jedem Bahnhof an Lager. Heute liefern wir die Besen bei Bedarf von Samstagern mit der Monatsbestellung an unsere Bahnhöfe aus. Dadurch konnten wir den Lagerbestand von Weichenbesen von vormals 200 Stück (entspricht einem Verbrauch während fünf Jahren) auf insgesamt 30 Stück (Minimalbestand) drastisch reduzieren.

Sofortige Verfügbarkeit

Das Lager ist hauptsächlich mit Ersatzteilen und Arbeitsmaterialien für Reparaturen und Unterhaltsarbeiten bestückt. Das heisst, unsere Mitarbeitenden sollen möglichst sieben Tage die Woche während 24 Stunden am Tag auf ihr Reparaturmaterial zugreifen können. Deshalb benötigen wir die verschiedenen Lagerstandorte. Trotzdem soll das Lager nicht unnötig aufgestockt werden. Das Einkaufsteam prüft vor jeder Bestellung genau, ob und in welcher Stückzahl und wo der Artikel an Lager ist und, wenn kein Vorrat da ist, ob der Artikel überhaupt vorbestellt und somit gelagert werden muss. Denn nicht jeder Artikel muss vorrätig sein. Salz zum Beispiel lassen wir erst dann liefern, wenn wir es benötigen, also just in time. Gleiches gilt für Material, das wir für Fahrzeugrevisionen brauchen. Wenn immer möglich bestellen wir diese Waren erst auf den Zeitpunkt, an dem wir sie brauchen oder einbauen. Manchmal allerdings zwingen uns äussere Einflüsse – Mindestbestellmengen und lange Lieferfristen –, von unserem Plan abzuweichen und mehr Artikel an Lager zu nehmen, als wir eigentlich wollen. Und ab und zu kommt es sogar vor, dass es gewisse Produkte gar nicht mehr gibt. Dann müssen wir uns auf die Suche nach Alternativen machen oder das Gesuchte selber produzieren lassen.

Dass wir nicht bei jedem Artikel mit der Bestellung warten können, bis wir ihn brauchen, ist naheliegend. Ein defekter Fahrleitungsdraht oder eine kaputte Zugscheibe muss sofort ersetzt werden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Letztere braucht es manchmal im Winter, wenn es in einem Tunnel zu Stein- oder Eisschlag kommt. Die Folge: ein Scheibenbruch. Da die Fahrzeuge unterschiedliche Scheibenformen und -grössen haben, wir aber dennoch für alle Eventualitäten gewappnet sein müssen, lagern wir je Scheibenart einen Ersatz. Bei unserer Flotte bedeutet das insgesamt 172 verschiedene Ersatzscheiben.

Kuriositäten

Fahrleitungen, Scheiben, Besen – diese Artikel ergeben im Lager eines Bahnunternehmens Sinn. Wofür aber braucht die SOB Katzenstreu und Milchkesseli? Nein, wir haben uns keinen pelzigen Mäusefänger angeschafft. Die Katzenstreu wird zweckentfremdet und befindet sich in jedem SOB-Führerstand in einem Milchkesseli. Denn Katzenstreu bindet schnell und zuverlässig Erbrochenes und dient so dem Lok- oder Zugpersonal als Sofortmassnahme, bevor unser Reinigungsteam das Missgeschick ordentlich entfernen kann.