Lautes leiser machen

Bauen geht nicht ohne Geräuschkulisse. SOB-Gesamtprojektleiter Richard Enz stellt sich den Fragen rund um den Baulärm während des «Cluster Süd 2017».

Interview: Ursel Kälin
Foto: Christof Sonderegger
Grafik: sag's

Die SOB wird über mehrere Monate auf dem Streckenabschnitt Pfäffikon– Samstagern bauen. Warum werden die Arbeiten nicht schrittweise ausgeführt?
Richard Enz: Bei diesem dichten Fahrplanangebot ist es nicht mehr möglich, nur in Nachtbetriebspausen effizient grosse Bauprojekte zu realisieren. Bei diesem Grossprojekt sind drei Intensivbauphasen vorgesehen (s. Kasten). Das Gros der Arbeiten erfolgt während der Totalsperre, und zwar hauptsächlich tagsüber in zwei Schichten. Eine kurze, wenn auch lärmintensive Bauzeit ist für alle Beteiligten vorteilhafter, als über Monate oder gar Jahre hinweg Dauerbaustellen mit Beeinträchtigungen für Reisende und Anwohnerschaft.

Bauen verursacht Lärm. Welche Vorgaben sind einzuhalten?
Wir sind gehalten, die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen. Umweltschutzgesetz, Lärmschutzverordnung, Maschinenlärmverordnung und die Baulärmrichtlinie vom Bundesamt für Umwelt geben die Richtschnur vor. Aber wir machen beim «Cluster Süd 2017» weit mehr, und zwar deshalb, weil mehrere Projekte im dichten Siedlungsgebiet liegen. Lärm ist bei diesem Grossprojekt unvermeidlich. Deshalb macht unsere Umweltbaubegleitung auch Baulärmberatung beim Gleisbauunternehmer.

Welche Aufgaben hat die SOB dem Umweltbaubegleiter übertragen?
Wir haben Messungen vornehmen und ein Baulärmkonzept erstellen lassen. Darin sind die Lärmquellen, die zu treffenden Massnahmen sowie Zeitbeschränkungen für gewisse Arbeiten festgehalten. Es wird unterschieden zwischen Tagund Nachtarbeiten sowie zwischen allgemeinen und lärmintensiven Bauarbeiten, die nur zu bestimmten Zeiten ausgeführt werden sollen bzw. dürfen.

Wie lassen sich die Bauarbeiten, die teils sehr lärmintensiv sind, differenzieren?
Man unterscheidet zwischen lärmintensiven Bauverfahren, Maschineneinsatz und auch unsachgemässem Verhalten. Ein lärmintensives Bauverfahren ist das Einschlagen von Rammgut. Lärmintensiv sind Fräsmaschinen, Bohrer, Sägen oder Helikoptereinsätze. Zu vermeiden ist auch – vor allem in der Nacht – das Umschichten von Metallgegenständen. Hier haben wir angesetzt, indem wir bestimmte Zeitfenster vorgegeben oder bestimmt haben, welchen Anforderungen die Maschinen genügen müssen.

Was heisst das auf das SOB-Grossprojekt bezogen?
Wir erneuern die Fahrbahn auf einer Länge von rund vier Kilometern. Dabei setzen wir speziell während der fünfwöchigen Totalsperre grosse Gleisbaumaschinen ein. Intensive Lärmeinwirkungen entstehen beim Abtragen und Verladen der Schienenjoche sowie von Gleisen und Schotter. Einen grossen Einfluss hat die Zusammenstellung des Bauprogramms. Hier haben wir darauf geachtet, dass grundsätzlich die Arbeiten nur zweischichtig ausgeführt werden. Sie werden tagsüber, wenn auch teilweise bis in die Randstunden ausgeführt. Die dritteSchicht in der Nacht und die Sonntage werden aus Rücksicht zu den Anwohnerinnen und Anwohnern voraussichtlich nicht für Arbeiten benutzt.

Heisst das, dass die Lärmbeeinträchtigungen entlang der Strecke unterschiedlich sind?
Ja, die intensiven Lärmeinwirkungen «wandern». Auf 2 × 300 Meter langen Abschnitten dauern lärmintensive Bauarbeiten weniger als eine Woche. Daneben führen wir noch andere Wanderbautätigkeiten entlang der Strecke aus wie die Sanierung von Bahnübergängen oder das Erstellen von neuen Mastfundamenten.

Können Sie den Massnahmenkatalog zur Lärmreduktion etwas näher erläutern?
Der Massnahmenkatalog ist weitreichend: Von Vorgaben für die Ausschreibung über den Einsatz von Maschinen oder organisatorischen Massnahmen fokussiert er sich auf die Phase der Bauausführung. Einsatzplanung, Arbeitsvorbereitung und Transporte inklusive Linienführung von Transportrouten sind ebenso aufgeführt wie lärmminderndes Verhalten auf Baustellen.

Wie wird die Umsetzung bzw. Einhaltung sichergestellt?
Da einzelne Bauabschnitte in stark besiedeltem Gebieten liegen, haben wir spezielle Vorkehrungen getroffen. Wir haben alle am Grossprojekt beteiligten Unternehmen auf die Einhaltung des Baulärmkonzepts verpflichtet. Maschinen und Geräte müssen dem Stand der Technik entsprechen. Vor Baubeginn erfolgen Schulungen für das Baupersonal, um ein lärmminderndes Verhalten zu erreichen. Natürlich werden auch Audits gemacht. Laufende Maschinen z. B., so unsere Erfahrung, stören oftmals weniger als lautes Zurufen oder Gespräche während der Nacht.

Lärmbeeinträchtigungen werden so unterschiedlich wahrgenommen?
Ja, das zeigt unsere Erfahrung. Abgesehen davon, dass wir uns an die gesetzlichen Vorgaben halten und darüber hinaus den Massnahmenplan haben bewilligen lassen, wissen wir, dass Lärm sehr subjektiv empfunden wird. Wir beabsichtigen, in den Medien sowie auch an Anwohnerveranstaltungen über das wegen der zahlreichen Strassenkreuzungen sehr herausfordernde Projekt frühzeitig und breit zu informieren, und zählen auch auf das Verständnis der Anwohnerschaft.

Weiterführende Informationen: www.bafu.admin.ch

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) und die SOB

Die SOB erneuert zwischen Wilen bei Wollerau und Samstagern auf rund vier Kilometern die gesamte Infrastruktur. Mehr als ein Dutzend Teilprojekte umfasst das Grossprojekt «Cluster Süd 2017». Die Arbeiten zwischen Pfäffikon und Samstagern beginnen am 21. Mai, jeweils von 22.00 Uhr bis 5.30 Uhr, mit Teilsperrungen von sieben Wochen Dauer. Von Montag, 10. Juli, 0.30 Uhr bis Montag, 14. August, 4.30 Uhr wird der Streckenabschnitt total gesperrt. Dann folgen erneut Teilsperrungen bis in den September, jeweils von 22.00 Uhr bis 5.30 Uhr. Es verkehren Bahnersatzbusse.

Aktuelle Informationen finden Sie im Onlinefahrplan.

Karte zur Streckensperrung Cluster 2017