Faszination Gartenbahn

Im SOB-Gebäude in Samstagern schrauben wir nicht nur an grossen Zügen, sondern auch an Modellen für Garten- und Parkbahnen. Für den Bau der Fahrzeuge im Kleinformat sind unsere Automatiker- und Polymechaniker- Lernenden zuständig – zuweilen mithilfe modernster Technik.

Text: Claudine Roth
Fotos: Peter Schmidt, Claudine Roth

Gartenbahnen sind Modelleisenbahnanlagen, die im Freien – einem Garten oder einem Park – aufgebaut sind und auf die sich jemand setzen und damit herumfahren kann. Die SOB baut seit 1986 Gartenbahnen, von der Lokomotive über Waggons bis hin zu ganzen Kompositionen. Seit 1996 liegt der Bau der Modelle in den Händen der Lernenden des Geschäftsbereichs Support. Früher haben sie die kleinen Fahrzeuge für sich selbst gebaut und nach ihrer Ausbildung nach Hause genommen. Heute stellen sie die Modelle im Auftrag her – für Liebhaber oder für die Nachwelt.

Genaues Arbeiten

Genaues Arbeiten Ein bis zwei Jahre dauert der Bau eines Modellfahrzeugs etwa. 50 bis 60 Stück seien bis heute unter seiner Aufsicht entstanden, schätzt Peter Schmidt, Leiter der Gartenbahn-Werkstatt und Ausbildungschef. Die meisten Bestellungen bekommt Peter von langjährigen Kunden, die aus dem bestehenden SOB-Sortiment ihren Favoriten aussuchen. Oder es bestellen andere Gartenbahnfreunde, die sich einmal pro Jahr an der weltgrössten Eisenbahnmodellausstellung in Karlsruhe Anfang Januar treffen. Dort ist auch die SOB vertreten und zeigt die neuesten und aussergewöhnlichsten Modelle, die in Samstagern entstanden sind.

Das Tigerli zum Beispiel. Die schwarze Dampflokomotive mit goldenen Elementen ist eine beliebte Vorlage für ein Modellfahrzeug. Und für die Lernenden eine grosse Herausforderung. Fast alle Einzelteile stammen von ihnen. Vom einfachen Blechteil, das sie zuschneiden und biegen, bis hin zum schwierigen Dampfzylinder, für den sie mehr Zeit und Fingerspitzengefühl brauchen. Am Ende müssen die Einzelteile alle zusammenpassen, damit die Gartenbahn fährt und dem Käufer Freude bereitet.

Lampen aus dem Drucker

Seit 2011 arbeiten wir eng mit dem Regionalen Ausbildungszentrum Au (RAU) zusammen, das sowohl unsere Lernenden wie auch solche von anderen Unternehmen ausbildet. Die angehenden Fachkräfte arbeiten schon ganz früh in der Ausbildung produktiv. Sie stellen mechanische und elektronische Komponenten her, teilweise auf Vorrat, die wir in unsere Modelle einbauen. Durch den engen Kontakt zur Praxis bekommen sie einen anderen Bezug zu den Produkten, die sie während der Ausbildung fertigen, und wappnen sich für die Zeit nach der Lehre. Und auch die SOB profitiert. Speziell von der modernen Technik, die im RAU vorhanden ist.

Seit 2014 steht im RAU ein 3D-Drucker. Wurde der Prototyp eines Bauteils früher noch aufwendig aus Metall oder Kunststoff gefräst oder aus Karton geklebt, stammt er heute aus dem Drucker. So wie der Prototyp der unverwechselbaren Tigerli-Lampe. Der Drucker erhitzt das anfangs harte Rohmaterial, UV-härtendes Acrylat, und spritzt es in flüssiger Form durch eine Düse auf eine Platte. Die Platte bewegt sich auf den X-, Y- und Z-Achsen und formt allmählich den Prototypen, der vom Fertigprodukt kaum zu unterscheiden ist. Für die Hohlräume kommt Wachs als Stützmaterial zum Einsatz. Dieses Wachs wird nach dem Drucken im Schmelzofen wieder entfernt.

Handwerk aus der Bronzezeit

Ist der Prototyp aus dem Drucker fertig, wird er im Wachsausschmelzverfahren, dem ältesten Giessverfahren, weiterverarbeitet. Als erstes wird von der Lampe eine Negativform aus Silikon gegossen und von dieser eine Positivform aus Wachs. Das Positiv wird mit Keramik ummantelt und ergibt eine zweite Negativ- form. Diese Form wird anschliessend ausgeschmolzen und z.B. mit Bronzeguss ausgegossen. Fertig ist die Lampe, die sogar leuchtet, im Massstab 1:7,8. Ins neueste Tigerli-Modell einbauen werden sie dann wiederum unsere Lernenden, in ihrer Gartenbahn-Werkstatt in Samstagern.