Gemeinsam gut unterwegs

35 Millionen Franken Baukosten, 15 Wochen Totalsperre, 22 Teilprojekte, 7 Kilometer Baustelle, 1 Gesamtprojektleiter. Armin Zöggeler, verantwortlich für die aktuell grösste Baustelle der SOB, beantwortet Fragen zum Cluster Obertoggenburg 2019.
Text: Brigitte Baur, Foto: Daniel Ammann

Die SOB erneuert die Bahnstrecke zwischen Wattwil und Krummenau. Neben der Modernisierung der Fahrbahn und der Bahntechnik steht auch die Sanierung von Brücken, Viadukten und Bachdurchlässen im Bauprogramm. Im gleichen Zeitraum wird die in die Jahre gekommene Thurbrücke bei Ulisbach ersetzt. Kurz: Auf diesem Streckenabschnitt verbaut die SOB bis Herbst 2019 rund 35 Millionen Franken. Wie die Grossbaustelle «Cluster Obertoggenburg 2019» erfolgreich umgesetzt wird, weiss Armin Zöggeler, Senior Gesamtprojektleiter bei der SOB.

An der Bahnstrecke zwischen Wattwil und Nesslau-Neu St. Johann wird im Jahr 2019 intensiv gebaut. Die SOB spricht dabei vom «Cluster Obertoggenburg 2019». Was bedeutet die Bezeichnung «Cluster»?
«Die SOB verwendet den Begriff ‹Cluster› als Synonym für die Bündelung von mehreren Einzelprojekten, die einen zeitlichen und räumlichen Bezug zueinander haben. Der Vorteil dieser Bündelung besteht darin, alle anstehenden Bauarbeiten in einem möglichst kurzen Zeitraum durchzuführen.»

Und was sind die Vor- oder Nachteile eines Clusters?
«Im Cluster Obertoggenburg 2019 sperren wir zur effizienten Umsetzung der Bauarbeiten die Bahnstrecke zwischen Wattwil und Nesslau-Neu St. Johann für 15 Wochen. Dadurch können wir einen Grossteil der Arbeiten tagsüber erledigen. Das bietet wiederum den Vorteil, dass die Qualität der Arbeiten steigt, die Kosten durch Synergieeffekte sinken und die Anwohnerinnen und Anwohner nur kurze Zeit durch den Baulärm gestört werden. Auch das Reisen mit dem Bahnersatz wird so für die Bahnkunden möglichst kurzgehalten. Nachteil dieser Bündelung der anstehenden Projekte ist die zeitlich begrenzte Streckensperre. Diese oft sehr intensive Phase fordert alle involvierten Personen und erlaubt wenig bis keine Fehler für eine erfolgreiche Umsetzung.»

Nach den Bauarbeiten ist die gesamte Bahnstrecke zwischen Wattwil und Nesslau- Neu St. Johann rundum erneuert und auf dem neuesten Stand. Was verbessern beziehungsweise verändern die Baumassnahmen im Bahnbetrieb?
«In Zukunft wird die Fahrt zwischen Wattwil und Ebnat-Kappel deutlich rasanter. Die Geschwindigkeit kann auf dieser Strecke infrastrukturseitig von 85 auf 140 Stundenkilometer erhöht werden. Dadurch kommt die SOB vonseiten Infrastruktur einem Fahrplan im Halbstundentakt im Obertoggenburg einen grossen Schritt näher. Weiter passen wir die Haltestelle in Krummenau modern und kundenfreundlich an.»

Eine 15-wöchige Totalsperre ist für alle Beteiligten betreffend Zeitmanagement eine grosse Herausforderung. Schliesslich müssen die geplanten Bauarbeiten auf den Tag genau fertig sein, um den Bahnbetrieb pünktlich wieder in Betrieb zu nehmen. Was könnte ein pünktliches Bauende verzögern?
«Wir können sehr viele Dinge planen und einer Risikoanalyse unterziehen. Dazu gehört auch, dass Reserven für Unvorhergesehenes und etwaige Überraschungen eingeplant werden. Davon abgesehen ist die grösste Unsicherheit immer das Wetter. Das kann nicht geplant und schon gar nicht beeinflusst werden. Aber wir sind optimistisch und hoffen auf einen sonnigen Sommer. Und falls der nicht eintrifft, haben wir einen Plan B in der Schublade.»

Auch in der Bahninfrastruktur entwickeln sich aus Innovationen neue Möglichkeiten. Gibt es Beispiele zu neuen Materialien oder Technologien, die vor ein paar Jahren noch nicht auf dem Markt waren?
«Wo immer möglich, verbauen wir Komponenten auf dem neuesten Stand der Technik. Das sind im Obertoggenburg zum Beispiel Achszähler und Balisen der neuesten Generation. Weiter versuchen wir, neue Bahnübergangssysteme für die Schnittstelle Strasse/Schiene zu implementieren. Viele Komponenten werden sukzessive und in kleinen Schritten weiterentwickelt. Die Bahninfrastruktur ist ein recht komplexes Gesamtsystem, das durch Sicherheit, hohe Lebensdauer und Verlässlichkeit geprägt wird. Dementsprechend gibt es selten grosse Innovationen.»

Als Gesamtprojektleiter in diesem aussergewöhnlich grossen Bauprojekt hast du alle Fäden in deiner Hand. Rund 35 Millionen Franken werden verbaut. 22 Teilprojekte müssen koordiniert werden. Das Zeitfenster dazu ist relativ kurz. Darüber hinaus arbeiten weit über 200 Personen aus verschiedenen Unternehmen auf der Grossbaustelle. Was ist das A und O bei deinem Projektmanagement, um den Cluster Obertoggenburg im Herbst 2019 erfolgreich abzuschliessen?
«Zu einem erfolgreichen Projektmanagement gehört, dass man die einschlägigen Werkzeuge beherrscht und weiss, wie man ein Projekt steuern und lenken muss. Das Wichtigste jedoch für den Gesamterfolg ist das Projektteam. Kurz gesagt: gegenseitiges Vertrauen und zuverlässiges Arbeiten. Jeder muss seine Aufgaben und Kompetenzen im Projekt kennen und diese wahrnehmen. Ich bin in dieser Hinsicht für den Cluster sehr guter Dinge. Die meisten Personen arbeiten schon seit Jahren zusammen. Wir sind gemeinsam gut unterwegs.»

Projektdetails

  • Projektstart: Herbst 2018
  • Projektende: Oktober 2019
  • Teilprojekte: 22
  • Totalsperre Bahnstrecke: 3.6.2019–16.9.2019
  • Gesamtkosten: 37 Mio. Franken
  • Neubau Fahrbahn: 6,945 Kilometer
  • Stahlschwellen: 11 575 Schwellen
  • Langschienen à 120 m: 126 Schienen
  • Gleisschotter: 27 000 Tonnen
  • Fahrleitungsmasten: 92 Masten
  • Grösstes Bauwerk: Thurbrücke Ulisbach
  • Gewicht Brückenplatte Thurbrücke: 850 Tonnen