Gesichtszug

In jeder Ausgabe des Schriftzugs lassen wir Mitarbeitende zu Wort kommen und geben ihnen dadurch ein Gesicht. Dieses Mal interessiert uns ganz besonders das Hobby des porträtierten Kollegen Andreas Gerber.

Fragen und Fotos: Claudine Roth

Bei der SOB seit: 1. Dezember 2013
Funktion: Mitarbeiter Flottenmanagement 

Andreas, bitte beschreibe uns dein Hobby.

Die Eisenbahn fasziniert mich seit Kindestagen. Daraus entstand mein Interesse zur Bahnfotografie. Für mich bedeutet das Erholung vom Alltag als Flottenmanager. Meine Leidenschaft ist es, Züge in den unterschiedlichen Landschaften und Jahreszeiten abzulichten und so den Wandel der Bahn fotografisch festzuhalten und zu dokumentieren. Ob es nun spezielle Züge, die erst- oder einmalig unterwegs sind, oder ob ich «nur» den Planverkehr ablichte – beides sind interessante Aspekte, die mir viel Freude bereiten. Denn der Planverkehr, den ich vor Jahren fotografisch festhielt , ist heute nicht mehr derselbe. So kommen beispielsweise laufend neue Züge dazu und verbannen damit interessante ältere Fahrzeuge teilweise unwiederbringlich von der «Bildfläche». Dies sind beispielsweise unsere BDe 4/4, die Re 460 im Güterverkehr, die Ae 6/6 oder auch der Cisalpino ETR 470. Beim Fotografieren und bei der Wahl des Motivs achte ich immer auf meine Sicherheit . Auch andere Bahnfotografen müssen sich bewusst sein, dass sie die nicht öffentlich zugänglichen Bahnanlagen meiden bzw. der Zutritt nur mit einer gültigen Bewilligung erfolgen kann. Die von der Bahn und deren Betrieb ausgehenden Gefahren müssen konsequent beachtet werden. Mit diesem schönen Hobby darf man weder sich selbst noch Dritte gefährden. 

Was genau reizt dich an deinem Hobby?

Es ist vergleichbar mit einer Kunstsammlung: Das Ziel ist es, ein möglichst perfektes Bild entstehen zu lassen, in dem alle beteiligten Komponenten des Bildaufbaus harmonisieren und so als Ganzes zur vollendeten Geltung kommen. Dies sind Fahrzeuge, Licht , landschaftliche Details im Vorder- und Hintergrund, die Jahreszeiten und das Wetter. Mich reizt und motiviert es, Bilder zu erzeugen, die den Betrachtern das Gefühl vermitteln, selbst vor Ort zu sein. Auch die Dokumentierung des Bahnbetriebes ist interessant . Zum Beispiel, wie sich die eingesetzten Fahrzeuge wandeln. Zudem weiss ich oft nicht , was mich an einem Fototag alles erwartet . Ob die Bilder gelingen oder beispielsweise die Wolken am Himmel das Bild im Moment der Zugdurchfahrt queren – es ist immer ein Adrenalinkick, wie wenn ein Jäger den grossen Hirsch auf der Waldlichtung ins Visier nimmt. 

Wie oft bist du mit deiner Kamera unterwegs?

Das kann ich so pauschal nicht sagen. Wenn das Wetter gut ist, dann bin ich häufiger auf der Suche nach einem guten Bild. Oder dann, wenn etwas Aussergewöhnliches fährt und es anderweitig nicht mehr festzuhalten wäre. Das Hobby ist zwar zeitintensiv, da ich viel Zeit mit Warten oder einem Standortwechsel verbringe. Dennoch ist es kurzweilig, weil ich immer wieder auf Leute treffe, mit ihnen interessante Gespräche führe oder auch mal zu zweit unterwegs bin. Neben meiner jungen Familie und dank der Toleranz meiner Frau finde ich genü- gend Zeit und Raum für mein Hobby. 

Fotografierst du nur Züge in der Schweiz?

Nein, nicht nur. Primär nehme ich schon Schweizer Objekte in den Fokus, wobei ich bei Auslandreisen gerne auch Abstecher zur Eisenbahn mache. So habe ich schon in Amerika, Russland oder in Ländern wie zum Beispiel Polen, Rumänien, Slowakei oder Tschechien fotografiert . Die Motive in der Schweiz sind vielfältig, sodass es viele Möglichkeiten gibt , gelungene Bilder entstehen zu lassen. Dies sind beispielsweise unser Voralpen-Express im Abschnitt Rapperswil bis Goldau, der Bernina-Express der Rhätischen Bahn im verschneiten Bernina-Gebiet oder Züge auf beiden Seiten des Gotthards mit seinen wunderbaren Landschaften und den darin eingebetteten Kehrtunnels.

Welcher Zug oder welches Sujet fehlt noch in deiner Sammlung?

Da hat es noch einige Lücken in der Sammlung. Der Norden Europas reizt mich. Exklusiv wären dabei Bilder von der «EL 18», die als Pendant zur Schweizer Lokomotive 2000 (Re 460/Re465) an die NSB (Norges Statsbaner oder Norwegische Staatsbahn) nach Norwegen geliefert wurden. Ebenfalls würde mich in Norwegen der schwere Erzzugverkehr mit den grossen zwölfachsigen IORE-Lokomotiven von Bombardier (Traxx H 80 AC) faszinieren. Diese 360-t-Lokomotiven der LKAB Malmtrafik AB mit zwölf Achsen befördern ihre Erzzüge mit einem Gesamtgewicht von bis zu 8 200 Tonnen, und zwar von der Gewinnungsstätte in Kiruna an den Seehafen in Narvik. Dabei müssen die Züge teilweise Steigungen von bis zu 10‰ bewältigen. 

Inwiefern kannst du dein Hobby auch in deinen beruflichen Alltag integrieren?

Wenn es die Zeit zulässt, habe ich bei speziellen Fahrten, wie zum Beispiel bei Testund Versuchsfahrten die Möglichkeit, ein Foto zu schiessen. Die entstandenen Bilder lassen sich gut in die Versuchsberichte oder Protokolle einarbeiten, und die Bilder haben so für die SOB wie für mich einen Nutzen. Gerne gebe ich auch Fotografien an interessierte Stellen weiter, um deren Bedürfnis nach einem gesuchten Motiv entsprechen zu können. 

Zum Abschluss: Beschreib uns doch bitte dein perfektes Bild.

Das perfekte Bild ist immer Ansichtssache und die Jagd darauf ist immer eröffnet . Dabei sind die Perspektive und die Stimmung wesentliche Komponenten, die über die Perfektion des Bildes entscheiden. Der von Carl Bellingrodt , einem der bekanntesten deutschen Eisenbahnfotografen, vielfach gewählte Bildaufbau inspiriert mich dabei besonders. Viele meiner Bilder weisen diese typischen Merkmale von Carl Bellingrodt auf, beispielsweise die festgelegten Winkel, in denen die Züge auf den Bildern festgehalten werden.