Aussichten – Einsichten

Was macht die SOB aus? Sind es die FLIRTs, die ihre Runden um den Säntis drehen? Oder ist es der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Voralpen-Express? Nein, geschätzte Leserinnen und Leser: Sie sind es. Unsere Gäste. Sie geben der SOB ein Gesicht und hauchen ihr Leben ein. Für diese Schriftzug-Ausgabe waren wir auf unseren Zügen unterwegs und durften einige von Ihnen kennenlernen.

Interviews: Ramona Schwarzmann, Sarina Bruggmann, Ramona Tiefenthal
Fotos: Ramona Tiefenthal

Alfred Hadorn (74)

Herr Hadorn, wohin sind Sie heute unterwegs?
«Heute führte mich meine Fahrt nach Rorschacherberg für einen Spaziergang. Jetzt bin ich auf dem Nachhauseweg. Ich bin viel unterwegs. Daher hat mich der Zugbegleiter vorhin mit Namen angesprochen. Ich reise etwa 300 Tage im Jahr mit dem Voralpen-Express.»

Sie sind also ein sehr passionierter Zugfahrer?
«Ja, und ob! In der Schweiz gibt es kaum einen Kilometer, den ich nicht mit dem Zug abgefahren bin – bis auf ein paar Nebenstrecken im Wallis vielleicht.»

Was schätzen Sie denn so besonders am Zugfahren?
«Wissen Sie was: Ich habe kein Natel, und ich trage keine Uhr – und das schon seit Lebzeiten! Ich mag die Unabhängigkeit und die Flexibilität. Ich kann ein- und aussteigen, wann und wo ich will.»

Dann haben Sie für unsere Leserinnen und Leser bestimmt auch einen guten Reisetipp?
«Da muss ich kurz überlegen – ich war auch im Ausland sehr viel mit dem Zug unterwegs. Da würde ich die Strecke von Bergen über Oslo nach Trondheim empfehlen. In der Schweiz gefällt mir die Strecke von Zweisimmen über Gstaad nach Montreux besonders gut.» 


Roman Gilb (46)

Guten Abend, Herr Gilb. Pendeln Sie nach Hause?
«Ja genau, ich fahre von Gossau nach Kaltbrunn – eine schöne Strecke. Ich pendle nun schon seit zwei Jahren.»

Welche Strecken gefallen Ihnen sonst noch besonders gut?
«Ich mag Bergstrecken wie bei der Fahrt mit dem Bernina oder dem Glacier Express sehr. Die Strecke von St. Gallen nach Luzern mit dem Voralpen-Express gefällt mir auch sehr gut. Man kann dabei eine wunderschöne Landschaft geniessen.»

Sie fahren mit dem Zug statt mit dem Auto zur Arbeit. Was mögen Sie am Zugfahren, und was vermissen Sie?
«Im Zug kann ich mich entspannen, die Zeit für mich geniessen und ein Buch lesen. Zu Hause warten die Kinder und erfordern meine Aufmerksamkeit. Zudem ist der Zug ein sehr sicheres Verkehrsmittel. Ich kann mich zurücklehnen und muss mich auf nichts konzentrieren. Die spontanen Gespräche fehlen mir hie und da. Durch die vielen Medien, die uns zur Verfügung stehen, sind die Reisenden meistens für sich. Sie lesen Zeitung oder sind mit dem Smartphone beschäftigt – eigentlich schade.»

Mit wem würden Sie am liebsten einmal eine Zugfahrt unternehmen – ganz hypothetisch?
«Mit Martin Luther. Das wäre eine sehr spannende Reise.» 









Ceren Lendemann (25)

Frau Lendemann, wohin führt Sie Ihre Reise?
«Ich bin unterwegs von Rorschach nach Pfäffikon SZ für einen geschäftlichen Termin. Aber ehrlich gesagt bin ich eigentlich lieber mit dem Auto unterwegs, aber im Moment bin ich ohne Führerausweis.»

Was bevorzugen Sie denn am Autofahren?
«Zum einen fahre ich einfach gerne Auto und habe mich schon immer für Autos interessiert. Ich mag das Auto lieber, weil ich damit flexibler bin und nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein muss. Zum anderen geniesse ich die Zeit für mich allein. Aber für kurze Strecken wie von Rorschach nach St. Gallen nehme ich auch den Zug. Dann muss ich nicht noch einen Parkplatz suchen.»

Gefällt Ihnen eine Zugstrecke besonders gut?
«Ja, ich mag die Strecke von Uznach nach Pfäffikon sehr gern. Mir gefällt der See so gut. Ich könnte mir auch gut vorstellen, zum Beispiel in Rapperswil zu wohnen.» 

 

 

Tobias Rüegg (20)

Grüezi, dürfen wir uns ein paar Minuten zu Ihnen setzen? Wohin sind Sie heute unterwegs?
«Ich fahre von Uznach nach Rapperswil, um den schönen Sonntagnachmittag am See zu verbringen. Und ich werde meine Freundin zum Zmittag einladen.»

Fahren Sie oft Zug? Haben Sie eine Lieblingsstrecke?
«Ja, ich bin oft mit dem Zug unterwegs. Schon zweimal habe ich eine einmonatige Interrail-Reise gemacht. Ich bin schon in 15 Ländern mit dem Zug gereist. Besonders gut gefällt mir die Strecke von Stockholm nach Narvik. Narvik ist der nördlichste Punkt, den man mit dem Zug erreicht. Die Fahrt dauert etwa 21 Stunden.»

Hatten Sie auf einer Ihrer Reisen ein Erlebnis, an das Sie sich besonders gern erinnern?
«Ja, ein Erlebnis war ganz lustig: Auf der Rückreise von Narvik nach Stockholm habe ich einige Fans der Musikgruppe ‹AC/DC› getroffen und bin mit diesen ins Gespräch gekommen. Am Ende landeten wir alle – das waren etwa 30 Personen – im Speisewagen, wo wir etwas tranken. Dort sassen wir dann bis in die frühen Morgenstunden. Das war eine schöne und heitere Begegnung.» 

Lust auf Bahnreisen?

Lassen Sie sich in einem unserer Reisezentren inspirieren:  www.sob.ch/bahnreisezentren  








Franz (86) und Helen Fries (83)

Grüezi, Frau und Herr Fries. Wohin sind Sie denn heute unterwegs?
«Heute Morgen sind wir von Luzern nach St. Gallen gefahren. Jetzt sind wir wieder auf dem Nachhauseweg. Das ist wirklich eine schöne Strecke mit dem Voralpen-Express.»

Gibt es etwas, das Sie am Zugfahren besonders schätzen?
«Wir schätzen vor allem die Freiheit, überall ein- und aussteigen zu können. So einfach wie früher ist es allerdings auch nicht mehr, da die Anschlüsse immer knapper werden. Im Alter ist das gar nicht so einfach, in kurzer Zeit umzusteigen. Aber dafür kommt heute in 15 oder 20 Minuten schon wieder der nächste Zug, dann ist das halb so wild. Gespräche mit anderen Zugpassagieren kommen heutzutage leider nur noch selten vor. Wir würden einen regeren Austausch schätzen.»

Haben Sie einen Reisetipp für unsere Leserinnen und Leser?
«Oh ja: mit Bahn und Schiff in den Norden. Diese Reise haben wir 1982 gemacht. Mit dem Zug sind wir bis nach Oslo gefahren. Eine wunderschöne Strecke. Danach eine Hurtigruten-Reise bis an die russische Grenze – ich glaube, das waren dann noch etwa zwölf Tage auf dem Schiff. Diese Reise hätten wir gerne ein zweites Mal unternommen.» 





Michael Jürges (50) und Aurelia Merten (11)

Grüezi mitenand. Wohin sind Sie heute unterwegs?
M. J.: «Wir waren gerade für einen Termin in St. Gallen. Jetzt sind wir auf dem Rückweg nach Wattwil. Ich muss wieder zur Arbeit und Aurelia in die Schule.»

Sie nutzen dafür den Zug statt das Auto. Mögen Sie am Zugfahren etwas Bestimmtes?
M. J.: «Ich komme aus Deutschland und bin seit elf Jahren in der Schweiz. Es ist toll, wie pünktlich hier immer alles ist. Wenn es grössere Verspätungen gibt, haben diese meistens einen guten Grund – zum Beispiel ein Unwetter.»
A. M.: «Ich mag den Zug, weil man sich hier nicht anschnallen muss. Und es hat grössere Fenster als im Auto.»

Wie beschäftigen Sie sich denn während der Zugfahrt?
M. J.:
«Ich lese gerne oder unterhalte mich mit meinen Mitreisenden.»
A. M.: «Ich beschäftige mich im Zug mit dem Handy. Aber ich schaue auch gerne einfach aus dem Fenster.»

Fahren Sie mit dem Zug auch in die Ferien? Haben Sie einen Reisetipp?
M. J.:
«In die Ferien fahren wir selten mit dem Zug. Das ist mit den Kindern etwas umständlich, weil man den halben Haushalt mitnehmen muss. Im April war ich allerdings mit meiner Frau übers Wochenende in Dijon. Da sind wir mit dem Zug hingefahren. Das war sehr schön. Und ich erinnere mich, dass wir in der Schule einen Ausflug von Köln über Moskau bis nach Leningrad gemacht haben. Die Zugfahrt dauerte etwa zwei Tage, und die Strecke ist sehr abwechslungsreich.» 

Helen von Aarburg (63) mit Enkelin (3,5)

Grüezi mitenand. Dürfen wir uns zu Ihnen setzen?
«Natürlich. Wir sind gerade unterwegs von Kaltbrunn nach Herisau. Ich bin mit meiner Enkelin unterwegs zum Hof ihres Vaters. Sie freut sich schon auf das neugeborene Kälbli, das wir besuchen.»

Gibt es etwas am Zugfahren, das Sie besonders schätzen?
«Im Auto muss man sich immer konzentrieren. Wenn ich den Zug nehme – vor allem in die Stadt – muss ich keinen Parkplatz suchen. Ich schätze die freie Platzwahl und dass man sich die Beine vertreten kann. Ich besuche im Zug auch ab und zu das Restaurant.»

Dann sind Sie auch in der Freizeit viel mit dem Zug unterwegs?
«Ja, ich mache gerne Ausflüge in die Ostschweiz. Da ich ein Halbtax habe, löse ich oft eine 9-Uhr-Tageskarte für 20 Franken.»

Und wenn Sie mit einer Person Ihrer Wahl – ganz hypothetisch – eine Zugfahrt machen dürften, wer wäre das?
«Ich würde gerne mit einem Bundesrat Zug fahren – mit Ueli Maurer oder Doris Leuthard zum Beispiel. Dann könnte ich ihnen ein paar Fragen über die Schweiz stellen.»